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Köln: Der Kult der 60er: „Raumpatrouille Orion” beim 21. Kölner Sommerfestival

Köln : Der Kult der 60er: „Raumpatrouille Orion” beim 21. Kölner Sommerfestival

Ein Satz Posaunen, zwei Orgeln, dazu einige hohe Frauenstimmen - „Keine große Sache”, so charakterisiert der Komponist Peter Thomas einen der größten und bizarrsten Erfolg seiner langen Karriere. Es war nicht zuletzt auch die Musik des 1925 geborenen Künstlers, der die Weltraumserie „Raumpatrouille Orion” zum Fernsehklassiker machen sollte.

Vom 11. bis 17. Juli ist der Spielfilm ”Raumpatrouille Orion„ im Rahmen des 21. Kölner Sommerfestivals auf der Großleinwand in der Kölner Philharmonie zu sehen. Dazu spielt die Berlin Film Philharmonic Big Band live die Original-Filmmusik. Der Spielfilm war vor fünf Jahren aus den 1965 gedrehten sieben Episoden der TV-Serie zusammengestellt worden.

1966 war ein sehr nervöser Vertreter der Produktionsfirma Bavaria im Münchener Haus von Peter Thomas erschienen: ”Es musste halt schnell gehen„, erinnert sich Thomas. 14 Tage hatte er Zeit für die Musik der Serie, letztlich war der Soundtrack in acht Tagen fertig: ”Damals hatte ich noch jugendlichen Elan, immer preußisch-zackig„.

Es hat funktioniert, wie eigentlich bei den meisten der rund 650 Film- und Fernseh-Musiken, die Thomas in seiner langen Karriere geschaffen hat: „Ich habe nie einen Auftrag abgewiesen”, betont der geborene Breslauer, der nach einer verhinderten Karriere als Kinderarzt zur Musik gefunden hat. Familiär war er durch die Begeisterung von Vater und Großväter für Marschmusik vorgeprägt.

Gerade in den 1960er Jahren war Peter Thomas nicht aus deutschen Kinos wegzudenken. Er sorgte für den musikalischen Rahmen zahlreicher Edgar-Wallace-Filme, stand FBI-Agent Jerry Cotton bei und schaffte es mit der Musik zu einem Durbridge-TV-Krimi sogar bis auf Platz vier der deutschen Verkaufshitparade.

”Raumpatrouille Orion„ hat in seinem Werk einen besonderen Platz: ”Damals hat keiner gesagt: Das ist aber schöne Musik - nur ich„, bedauert Thomas noch heute. Dass die Serie Fernsehgeschichte schreiben sollte, habe er damals allerdings nicht geahnt, räumt der Musiker ein: „Eine Weltraumserie, also, ich fand das schon sehr erstaunlich.” Dabei war das Fernsehereignis noch vor den später Genre-prägenden Serie wie „Raumschiff Enterprise” abgedreht worden.

Heute sorgen vor allem die für damalige Verhältnisse kuriosen, damals aber sensationellen Spezialeffekte für Aufsehen. Zweckentfremdete Bügeleisen und Eiskugelformer sowie Großaufnahmen von sich auflösenden Aspirintabletten sollten den Zuschauern eine Weltraumwelt des Jahres 3000 vorgaukeln. In ihr erlebte die Crew der „Raumpatrouille Orion” um Commander Cliff Allister McLane (Dietmar Schönherr) und Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk (Eva Pflug) ihre Abenteuer.

An einem besonderen optischen Höhepunkt der Serie war auch Komponist Peter Thomas beteiligt. Er schuf die Musik für den „Galyxo”, jenen bizarr-futuristische Tanz des beginnenden vierten Jahrtausends, der am Grund des Meeres im „Starlight Casino” getanzt wird. Die Musik für das sonderbare rhythmische Hoppeln der Weltraumreisende war das einzige Stück, das vor Beginn der Dreharbeiten fertig sein musste, berichtet Peter Thomas.

Er komponiert bis heute weiter, aktuell an einer neuen Oper zu Hänsel und Gretel. Nur Filmmusik macht er nicht mehr: „Da drückt man doch heute nur noch auf ein Knöpfchen am Computer, das macht doch keinen Spaß mehr. Es genügt aber nicht, einen Ton aus dem Computer abzufragen, nein, man muss sich auch etwas dabei denken.”