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Der Gipfel der Fotografie

Der Gipfel der Fotografie

Köln (an-o/sim) - Um 10 Uhr war es noch richtig überschaubar. Um 12 wurde es voller. Und gegen 14 Uhr herrschte in manchen Hallen schon beängstigendes "Geknubbel". Die Photokina in Köln, das seit 1950 alle zwei Jahre stattfindende Gipfeltreffen der Fotobranche, ging gleich am ersten Besuchertag auf Rekordkurs.

1546 Aussteller aus 46 Ländern auf 220.000 Quadratmetern Hallenfläche: Was weltweit in der Photo- und Imaging-Branche Rang und Namen hat, ist noch bis zum 30. September in den Deutzer Messehallen anzutreffen. Flächenmäßiger Rekordhalter ist Kodak, das die gesamte Halle 4 belegt hat.

Eindeutiger Trend der diesjährigen Photokina: Der Siegeszug der digitalen Fotografie ist nicht mehr aufzuhalten. Früher oft als "Spielerei" belächelt, stehen die digitalen Kompakt-Kameras in diesem Jahr im Vordergrund des Interesses. Des Fotoamateurs liebster Print, das Bild im Format 10x15, ist selbst bei Kameras der Zwei-Megapixel-Klasse nicht mehr vom herkömmlichen Foto zu unterscheiden.

Je mehr Pixel, desto längere Speicherzeiten. Hier geht der Trend zu deutlich verbesserten Werten für Auslöseverzögerung und Bildfolgezeiten. Speicherkartenhersteller Lexar z.B. präsentiert eine neue "Professional"-Speicherkartenserie mit Schreibraten von bis zu 3,6 MB pro Sekunde - dreimal so schnell wie die heute in Digitalkameras üblicherweise verwendeten Speicherkarten. Allerdings gibt es bisher erst eine Handvoll Kamerahersteller, die diese neue "Write Acceleration Technology" unterstützen (www.lexarmedia.com).

Auch dies ein lange gehegter Wunsch: Digitalfotografen, die gerne "ein Bild zum Anfassen" hätten, können demnächst auf Drucker zurückgreifen, die zur Bildausgabe keinen zwischen Kamera und Printer geschalteten Computer mehr benötigen.

Für den Fotofachhandel bringt der digitale Boom neue Herausforderungen. Zwar drückt der Digitalfotograf mit durchschnittlich 400 Aufnahmen pro Jahr dreimal so oft auf den Auslöser wie sein analoger Kollege, doch während dieser in der Regel alle Aufnahmen entwickeln lässt, werden nur zehn Prozent aller Digitalaufnahmen auch ausgedruckt.

Die Lösung ist nach Ansicht des Bundesverbandes Technik des Einzelhandels die "Digitale Bildertheke", an der der Kunde sämtliche Dienstleistungen rund um das digitale Bild geboten bekommt, und wo er beispielsweise auch Negative zur weiteren Bearbeitung am PC einscannen kann.

Gewichtiges Argument der Branche: Bilder vom Foto-Fachhändler seien um bis zu 80 Prozent preiswerter als selbst ausgedruckte. Die vermeintliche Ersparnis beim Druckerkauf werde durch die zum Teil horrenden Preise für Verbrauchsmaterial wie Tinte und Papier schnell wieder aufgezehrt.

Dass der alter 36er-Film nach wie vor seine Daseinsberechtigung hat, zeigen u.a. Hersteller wie Agfa mit futuristisch angehauchten Messeständen. Technisch sind die analogen Kameras an ihren Grenzen angelangt. Verbesserungen gibt es vielfach allerdings im Detail, bei präziserer Belichtungs- und Entfernungsmessung, größeren Zoom-Spielräumen und bei noch kompakteren Bauformen.