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Aachen: Der Gefangene ist fort, jetzt sitzen die Befreier

Aachen : Der Gefangene ist fort, jetzt sitzen die Befreier

Man müsse dem „Gedanken der Generalprävention” folgen, meinte der Vorsitzende der 4. großen Strafkammer im Urteilsspruch. Denn was am Dienstag hier geahndet wurde, das „sei als Dienstverletzung nicht zu toppen” und könne nicht mit einer Bewährungsstrafe geahndet werden.

Der nicht vorbestrafte 31 Jahre alte Wachbeamte muss drei Jahre und drei Monate sitzen, weil er in der Nacht zum 7. September 2003 einen Drogendealer aus Algerier in die Freiheit gelassen hatte. Der ist über alle Berge, wie der Staatsanwalt treffend feststellte, und das wahrscheinlich für immer.

Der Schließer war wegen Bestechlichkeit, Gefangenenbefreiung und Kokainkonsum angeklagt. Parallel dazu stand bei dem 33-jährigen Landsmann des Flüchtigen Bestechung, Gefangenenbefreiung und Handel mit Kokain zur Aburteilung an. Der Algerier, der seit 1996 illegal mit falschen französischen und italienischen Papieren in Deutschland lebt, bekam zweieinhalb Jahre Haft.

Freispruch für die Freundin

Die mitangeklagte Ex-Freundin des flüchtigen Drogendealers kam mit einem Freispruch davon. Dem Gericht wollte nicht einleuchten, dass die 40-Jährige, auch in Algerien aufgewachsene Frau ihren Ex-Freund im Frühjahr 2003 zunächst der Justiz ans Messer lieferte, um ihn dann im September wieder zu befreien.

Nach der Version des Algeriers sollte sie das Fluchtgeld besorgt haben: 5000 Euro kassierte der Wachbeamte, 3000 behielt der andere Befreier. Zuvor bereits hatte sich der junge Wärter mit dem geflüchteten Drogenhändler in Hafthaus 3 angefreundet, ihm Bücher, Essen und CDs ins Gefängnis geschmuggelt sowie die unzensierten Post vorbei gebracht. Dafür bekam er regelmäßig eine Priese Kokain zugesteckt.