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Mechernich: Der „Eifel-Elvis” jagt Weltrekord

Mechernich : Der „Eifel-Elvis” jagt Weltrekord

Auf den ersten Blick wirkt er wie der wiedererstandene Elvis - der große King des RocknRoll: dunkelbraune Haarpracht, weißer strass-besetzter Overall, weite Schlaghosen und Stiefeletten. Tatsächlich ist der 36-jährige Franz Nübel gelernter Bäcker und lebt in der Eifel.

Wenn der Elvis-Imitator aber mit dem Schmelz seiner Stimme zu „Love me tender” anhebt und zum Abschluss mühelos ein paar typische Hüftschwünge hinlegt, könnte man diesen kleinen Unterschied beinahe vergessen.

Stimme muss halten

Nübel hat einen Weltrekord im Viser, an den der echte Elvis wahrscheinlich nicht im Traum gedacht hätte: Der Eifeler will gut 42 Stunden lang Elvis-Songs singen und damit den kürzlich in Hamburg aufgestellten Rekord um zwei Stunden schlagen. Seinen Versuch, der am 29. Januar in einer Eifeler Gaststätte startet, hat Nübel beim Guinness-Buch der Rekorde angemeldet.

„Die Stimme muss halten”, nennt Nübel seine größte Sorge. Damit die Stimmbänder den Marathon überstehen, will der Mann seine Kräfte für die publikumsstarken Zeiten schonen. Und dazu gehört sicher nicht der Marathon-Start um vier Uhr morgens. Dann wird er das eine oder andere Stück gar nicht idolgerecht auf dem Hocker sitzend singen. 38 Stunden später, bei der großen Elvis-Party in der Endphase, sollen die Kräfte reichen, um so richtig abzurocken.

Nickerchen-Tricks

Dass ihn bis dahin die Müdigkeit übermannt und der Rekordversuch im Schlummerschlaf endet, fürchtet er nicht. Als Bäcker habe er gelernt, kurze Pausen mit einem Nickerchen zu überbrücken: „18 Minuten brauchten die Brötchen im Ofen”, erzählt Nübel. Auf den kurzen Erholungsschlaf setzt er auch bei seinem Sing-Marathon. Nach dem strengen Guinness-Reglement darf er sich alle vier Stunden ein Päuschen von 15 Minuten gönnen. Die Motivation für das Unternehmen ist eine Mischung aus Fan-Berufung und sportlichem Ehrgeiz. Den Rekord hält zur Zeit ein Hamburger Imitator mit 40 Stunden, acht Minuten und zwei Sekunden. Zuvor galt ein Norweger als Rekordhalter. „Ich hab mir gedacht, was der kann, kann ich auch”, meint der „Eifel-Elvis” selbstbewusst.

Um das Vorhaben durchzustehen, muss man mit dem Elvis-Virus infiziert sein. Nübel ist das nach eigenen Angaben seit der Schulzeit. Bei Schulfeten stand er auf der Bühne und entzückte Jungen und Mädchen gleichermaßen mit seinen Elvis-Interpretationen. Er wollte besser werden und übte zu Hause stundenlang zu Elvis-Platten. „Ich habe manchmal acht Stunden am Tag gesungen”, erzählt er. Vor acht Jahren verließ er endgültig die Backstube, um ausschließlich als Elvis-Imitator sein Geld zu verdienen.

Von den rund 800 Stücken, die Elvis bis zu seinem Tod 1977 aufnahm, hat der Eifeler Imitator 250 im Repertoire. Rund 50 davon will er bei seinem Rekord-Versuch so lange wiederholen, bis die Rekord-Zeit reif ist. Für die Musik sorgt ein Techniker, zwei Bekannte werden als ehrenamtliche Juroren das Protokoll führen. Außerdem läuft zur Dokumentation eine Kamera mit. Seine Frau Aenne sieht das Vorhaben ihres Mannes gelassen: „Wir wissen ja, wie verrückt der Franz ist. Wenn der sich das vorgenommen hat, schafft er das auch”, sagt sie lächelnd.