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Aachen: Der Druck auf die Bistumsleitung wächst

Aachen : Der Druck auf die Bistumsleitung wächst

417 kirchliche Jobs gestrichen, 300 Kindergartengruppen mit 7500 Plätzen abgeschoben, Kahlschlag bei katholischen Hochschulen: Das sind aktuelle Nachrichten aus den Bistümern Berlin, Münster und Trier.

In zwei Wochen stellt auch das Aachener Generalvikariat dem Kirchensteuerrat sein Sparkonzept vor. Bis 2007 sollen 50 Millionen Euro vom jährlichen 400-Millionen-Haushalt abgeschmolzen werden. Hunderte Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. „Meine Sorge ist, dass die ungeheure Zeitknappheit zu ähnlich unüberlegten Schritten wie der geplanten Schließung der Regionalstellen führt”, sagt Dieter Freyaldenhoven von der Initiative Zukunft Arbeitsplatz Kirche (ZAK). Deswegen machen die Mitarbeiter Druck.

Mit einer Mahnwoche vor dem Portal der Aachener Bistumsleitung am Klosterplatz und mit einer Großkundgebung vor dem „Tag der Entscheidung”. Die Streichliste ist hochsensibel: Stellen auf allen Ebenen bis in die Gemeinden, hunderte Kindergärten, ein rundes Dutzend Schulen etc. sind gefährdet.

Teils entsetzte Reaktionen

Am Mittwoch strömten mehr als 400 Beschäftigte des Bistums zum Informationsaustausch in die Würselener Pfarre St. Sebastian. Am Nachmittag wird bekannt, dass sämtliche diözesanen Räte die Schließung der Regionalstellen ablehnen. Hinter verschlossenen Türen hatte das Generalvikariat in den vergangenen Wochen dem Diözesanrat der Katholiken, dem Diözesanpastoralrat und dem Diözesanpriesterrat die Eckpunkte des Sparkonzepts vorgestellt - und teils entsetzte Reaktionen ausgelöst. Der Katalog ist gewachsen.

„Auch wenn noch kein Ergebnis auf dem Tisch liegt: Das Gesprächsklima zwischen Bistumsleitung und Mitarbeitervertretung hat sich spürbar verbessert”, erklärt ZAK-Mitglied Gerd Mertens. Man habe den Eindruck, die Vorschläge zu Gehaltskürzungen würden ernst genommen. Trotzdem: „Die Frage ist, wie das Resultat am 15. Mai aussieht. Nur wenn die Bistumsleitung das Votum der Räte umsetzt, kann von einem Ende der Vertrauenskrise die Rede sein”, betont Regionaldekan Hans-Georg Schornstein. Die zentrale ZAK-Forderung: Sparen inklusive Stellenabbau, aber ohne betriebsbedingte Kündigungen!

40 bis 50 Mitarbeiter wollen freiwillig gehen

Zwischen 40 und 50 Mitarbeiter sollen nach einem entsprechenden Rundbrief von Generalvikar Manfred von Holtum bereits angeboten haben, freiwillig aus dem kirchlichen Dienst zu scheiden. Parallel will man den Solidaritätsfonds füllen: Etwa über Sonder-Kollekten in Gemeinden und Spendenaufrufe an betuchte Rentner. Schon in 15 Tagen schauen Berlin, Münster und Trier besorgt nach Aachen.