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Der Central Park erblüht für 16 Tage

Der Central Park erblüht für 16 Tage

New York. Es wird sein, als ob sich mitten im Winter plötzlich tausende große Blüten öffnen und zu einem weit verzweigten leuchtend goldenen Strom vereinen.

Ganz ohne Reden und Musik, ohne irgendeine Eröffnungszeremonie lassen Christo und Jeanne-Claude heute den Central Park in New York erblühen. Auf ihr Signal hin werden von 7500 Toren safrangelbe Stoffbahnen herabwallen und den berühmtesten Park Amerikas verwandeln.

Das größte Kunstwerk in der Geschichte New Yorks wird zugleich auch eines der vergänglichsten sein: Ganze 16 Tage wird der Zauber in Safrangelb dauern. Dann beginnt der Abbau, gefolgt von der Verschrottung der Großinstallation „Die Tore”. Vergänglichkeit ist für die beiden 69 Jahren alten Künstler Christo und Jeanne-Claude ein Arbeitsprinzip.

„Durch die zeitliche Begrenzung geht von unserer Kunst der Drang aus, sie zu sehen”, erklärten sie kurz vor Beginn ihrer weltweit beachteten Central-Park-Aktion. „Liebe und Zärtlichkeit für diese Werke erwachsen aus der Tatsache, dass sie nicht für immer da sind. Solche Gefühle sind eigentlich reserviert für andere temporäre Erscheinungen wie zum Beispiel die Kindheit.”

Mit Kindheit, genauer gesagt mit der ihres 1960 geborenen Sohnes Cyril, hat das Werk von Christo und Jeanne tatsächlich viel zu tun. Als Cyril - inzwischen ein gestandener Fotograf, Dokumentarfilmer und Dichter - ein kleiner Junge alt war, brachten seine Eltern ihn fast täglich zum Herumtollen in den Central Park. „Er liebte es, über die wunderschönen Felsen zu klettern. Der Park war Teil unseres Lebens.”

Die Inspiration für „Die Tore” sei in den 70er Jahren in den Straßenschluchten von Manhattan gekommen, berichtete das Künstlerpaar, das 1995 den Reichstag in Berlin verhüllt hatte. „Unsere Aufmerksamkeit richtete sich auf diese unablässigen großen Menschenströme.”

Dieses Fließen, diese ständige Bewegung lässt sich nachempfinden auf den insgesamt fast 37 Kilometer langen, safrangelb eingehüllten Wegen des Parks, auf denen sich für den Betrachter wehende Stoffbahnen zu großen Strömen verbinden werden.

Eine Vorahnung kam bereits auf, als 600 Arbeiter mit der Aufstellung der Tore begannen. „Obwohl die goldenen Stoffbahnen noch gar nicht zu sehen sind, ist das einfach ergreifend”, sagte Susanna Altobelli, eine Touristin aus Italien. „Das wird einfach wunderbar, das gibt es nur in New York. Ich werde an jedem einzelnen Tag hier im Park sein.”

So etwas hört auch Bürgermeister Michael Bloomberg gern. Er hat sich vorrechnen lassen, dass das Großkunstwerk mehr als eine halbe Million Besucher nach New York locken dürfte. Bei ihrem Aufenthalt im „Big Apple” könnten sie gut und gern rund 140 Millionen Dollar (110 Millionen Euro) ausgeben - eine willkommene Finanzspritze im Februar, der eigentlich auch in New York der Monat mit der geringsten Touristenzahl ist.

Wofür auch immer die Besucher Geld in der Stadt lassen, vom Broadway bis zu den Nachtbars: Für das Erlebnis des safrangelben Central Park müssen sie keinen Cent ausgeben. Der Eintritt ist wie immer frei, obwohl das Großkunstwerk alles andere als billig ist.

Auf mindestens 20 Millionen Dollar werden sich am Ende die Rechnungen belaufen, für die allein Christo und Jeanne-Claude aufkommen. Geld von Sponsoren oder von der Stadt haben sie aus Prinzip abgelehnt.

Die Kosten werden vor allem durch den Verkauf von Zeichnungen und Collagen des Projektes gedeckt, die Christo in den letzten Wochen in täglichen 17-Stunden-Schichten angefertigt hat. Die Nachfrage ist allerdings enorm. Selbst 600.000 Dollar teure Arbeiten im Format 1,5 x 2,5 Meter finden rasch Käufer. 30.000 Dollar kosten Skizzen von etwa 22 x 30 Zentimetern. Durchschnittsverdiener müssen sich mit handsignierten Postern für 280 Dollar zufrieden geben.