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Berlin: Der Bösewicht mit dem markanten Gesicht

Berlin : Der Bösewicht mit dem markanten Gesicht

Das „Markenzeichen” des Schauspielers Gottfried John ist zweifellos sein Gesicht. „Eine faszinierend hässliche Fresse” nannten Kritiker einmal die grobgeschnittenen Züge des Schauspielers mit der zweifach gebrochenen Nase.

Doch mit seiner sanften Bassstimme und dem gutmütigen Lächeln ist er nicht nur auf die Rolle des Bösewichts festgelegt. Am 29. August wird John 60 Jahre alt. Um seinen Geburtstag will er keinen großen Rummel machen. Das sei ja schließlich keine besondere Leistung, lässt er ausrichten.

Dabei sah es anfangs so aus, als würde ihm sein Gesicht eine Karriere als Film- und Fernsehdarsteller verbauen: Die Bavaria Studios wollten ihn nicht. Er solle doch lieber weiter Theater spielen, riet man ihm. Aber dann bekam er 1970 doch die Hauptrolle in „Jaider - der einsame Jäger”.

Kantig und ungeschliffen wie das Gesicht war auch seine Kindheit. John wurde in Berlin geboren, seinen Vater lernte er nie kennen, die Mutter war überfordert. Der Junge landete in Heimen und floh schließlich mit seiner Mutter nach Paris.

Dort verdiente sich der 17-Jährige seinen Lebensunterhalt als Straßenmaler. Volljährig kehrte John nach Berlin zurück, fiel bei der Aufnahmeprüfung am Max-Reinhardt-Seminar durch und nahm privaten Schauspielunterricht.

Seine ersten Erfolge feierte er an Bühnen in Hannover und Krefeld-Mönchengladbach. Ein erster Höhepunkt seiner Karriere war die Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder Anfang der 70er. Nach dem Tod Fassbinders 1982 konzentrierte er sich aufs Fernsehen.

So richtig ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit rückte er Mitte der 90er Jahre durch den James-Bond-Film „Goldeneye”, in dem er den Bond-Gegenspieler spiele.

John lebt mit seiner Frau kurz hinter der belgischen Grenze bei Aachen. Kritik übt er an den jungen Schauspielern: „Der Nachwuchs ist zu glatt.” Gottfried John selbst ist auch mit 60 so kantig und unangepasst wie immer.