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Aachen: Denn die Bühne ist ihr Leben

Aachen : Denn die Bühne ist ihr Leben

Es war eine Stunde allerfeinster Unterhaltung, mit der sich Regina Gisbertz und Rainer Krause am Sonntag beim Publikum bedankten. Eine Darbietung, mit der beide ihre Vielseitigkeit bewiesen. Denn für ihre herausragenden schauspielerischen Leistungen erhielten Gisbertz und Krause am Sonntag im Aachener Grenzlandtheater den Kurt-Sieder-Preis 2006.

Der Preis, der mit 4000 Euro dotiert ist, wird seit 2003 jährlich an einen Schauspieler und eine Schauspielerin des Theaters Aachen und des Grenzlandtheaters verliehen. Regina Gisbertz überzeugte das Kuratorium der Kurt Sieder-Stiftung mit ihrer Darstellung der Marilyn Monroe in „Diamonds” am Grenzlandtheater, Rainer Krause erhielt den Preis für seine Gesamtleistung am Theater Aachen.

„Regina ist eine extreme Person, sicherlich nicht angepasst, sehr genau und tief fühlend”, sagte Annette Bosetti, Vorsitzende des Kuratoriums, in ihrer Laudatio. Nachdem sie zunächst naive, unschuldige und androgyne Rollen gespielt habe, sei ihr mit der Marilyn auch die Wandlung zur erotischen, verruchten, aber hoch emanzipierten Frau perfekt gelungen.

Hinreißende Darbietung

Eva Rother vom Kuratorium der Kurt-Sieder-Stiftung würdigte Rainer Krause als „wirklichkeitsbewussten, dünkelfreien und zurückhaltenden” Schauspieler, der stets uneitel die Rolle in den Vordergrund rücke und nicht an seinem eigenen Mythos feile. In seinem Engagement als Personalratsvorsitzender des Theaters finde sein Bewusstsein nicht nur für den „künstlerischen Himmel”, sondern auch für die „soziale Wirklichkeit” Ausdruck.

Mit einem hinreißenden Liederreigen bedankte sich Regina Gisbertz für die Anerkennung: Wenn sie singt, dann mit dem ganzen Körper und der ganzen Seele. Immer wieder erfindet sie Stimme, Mimik und Gestik neu, exakt kontrollierte Bewegungen unterstützen die ohnehin schon ausdrucksstarken Chansons. Begleitet wurde sie von Michael Barfuß (Klavier) und Franziska Blase (Kontrabass).

Humorvoll beleuchtete Rainer Krause in einer halbstündigen One-Man-Show die unterschiedlichen Facetten des Theaters: Die Episode „Der Erzbischof ist da” aus der gleichnamigen Tragikkomödie von Peter Sattmann etwa brachte er so authentisch herüber, dass die Zuschauer den Eindruck gewinnen konnten, ihm selbst sei einst dieser Bühnenpatzer unterlaufen. Sie lachen den Schauspieler mit dem komischen Talent und der gehörigen Portion Selbstironie nicht aus, sondern sie lachen mit ihm - befreit und gelöst.

Die Preise überreichten Hubert Herpers, Vorsitzender der Kurt-Sie- der-Stiftung, und Annette Bosetti, Vorsitzende des Kuratoriums.