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Eupen: Das Vertrauen der Künstler wächst weiter

Eupen : Das Vertrauen der Künstler wächst weiter

Moules frites oder Sauerkraut? Muscheln mit Pommes oder das deutsche Nationalgericht stehen nicht zur Wahl auf dem „Eupen Musik Marathon”.

Doch der Besucher kann à la carte sein persönliches „Musik”-Menü zusammenstellen und zwischen den „Girls in Hawaii” aus Brüssel und „Wir sind Helden” aus Berlin wählen. Auf neun Bühnen spielen die Bands parallel. Und wer es international mag? Der Brite Joe Jackson, Mando Diao aus Schweden und die Multi-Kulti-Band Culcha Candela haben zugesagt für das Fest am letzten Juni-Wochenende.

Wie kommt ein Weltstar wie Jackson, einer der bekanntesten Vertreter des britischen Postpunks, nach Ostbelgien? Seit 1992 lädt der Eupener Kulturveranstalter Chudoscnik Sunergia jährlich zum Stadt- und Musikfest in die Innenstadt. „Im Laufe dieser Zeit entwickelt sich Vertrauen zu den Künstlern”, erklärt Projektleiter René Janssen.

„Joe Jackson steht seit mehr als 30 Jahren auf den Bühnen der Welt. Dass er bei uns spielt, ist eine Frage der Entwicklung: ein gutes Publikum, gute Organisation, Medienpräsenz und der Ruf, dass sich die Künstler wohlfühlen.”

Heute etabliert

In Janssens Büro hängen die Poster der vergangenen Jahre. Schon 2004 waren „Wir sind Helden” und die „Girls in Hawaii” zu Gast. „Damals waren die Berliner Shooting Stars, heute sind sie etabliert.” Zu den „Girls” hätten er und sein Team ein besonderes Verhältnis: „Der Bassist Daniel Offermann stammt aus Eupen, seinen Werdegang verfolgen wir interessiert.” Gerade ist die zweite CD der sechsköpfigen Band erschienen. „Zuletzt war der „Circe Royal” in Brüssel mit 2000 Mann ausverkauft”, erzählt Janssen.

In Eupen zählte er im vergangenen Jahr 8000 Besucher, etwa die Hälfte davon aus Deutschland. „In den 90er Jahren waren es 1000”, erinnert er sich. Was macht den Eupener Musik-Marathon so besonders? Für Janssen ist es „die ungewöhnliche musikalische Bandbreite”. Von Unterhaltung, Weltmusik, Klassik, Blues, Jazz, Chanson bis zum Rock und Pop kommen Musikfans aller Stilrichtungen auf ihre Kosten. Klassikliebhaber suchen die Friedenskirche und die St.-Nikolaus-Kirche auf. Musik und Animation speziell für Kinder gibt es am Sonntag.

Um die Bühnen im Zentrum aufbauen zu dürfen, bedürfe es „Genehmigungsprozeduren”. Jans- sen: „Wir arbeiten im öffentlichen Raum und müssen die Belastung für Anwohner möglichst gering halten. Der kurzfristige Auf- und schnelle Abbau sind eine logistische Herausforderung.” Ohne Unterstützung der Stadt und vor allem der 150 Ehrenamtler sei das nicht zu lösen. Und auch nicht zu finanzieren, ergänzt er.

325.000 Euro kosten Künstler, Technik, Organisation und Werbung. Die Summe finanziere man über den Eintritt, Sponsoring und Getränkeverkauf. Fördergelder der Stadt und der deutschsprachigen Gemeinschaft deckten die Personalkosten. Den Eintritt will er so niedrig wie möglich halten, denn: „Der Stadtfestcharakter soll nicht verloren gehen, es soll nicht nur ein Musikfest sein.”

Die Grenzlage Eupens sieht Janssen kritisch. Er zeigt aus dem Fenster seines Büros: „Zwei Kilometer in die Richtung liegt Membach. Dort kennt man „Wir sind Helden” nicht. Wir wollen Brücken schlagen, aber es ist sehr schwierig.” Mit internationalen Stars wie Joe Jackson ließen sich Besucher leichter anziehen als mit nationalen Musikern. Auch wenn Eupen jungen und regionalen Künstlern ein Sprungbrett bieten wolle. Trotz Schwierigkeiten ist er stolz auf den besonderen Charakter des Fests: „Belgische, deutsche und internationale Künstler - so etwas gibt es nur bei uns. In Köln würde das nicht funktionieren.”

Zum ersten Mal startet das Programm in diesem Jahr schon am Samstagabend. Mit Joe Jackson hat Janssen einen Weltstar und dazu eine der derzeit erfolgreichsten belgischen Popgruppen auf der Hauptbühne am Eupener Werthplatz zu Gast: So wie „Girls in Hawaii” am Samstagabend eine Entdeckung für deutsche Rockpop-Fans werden könnten, sind es am Sonntag vielleicht „Wir sind Helden” für belgische Musikfreunde.