1. Kultur

Düsseldorf: „Das Sozialamt ist mein natürlicher Feind”

Düsseldorf : „Das Sozialamt ist mein natürlicher Feind”

Mehr als 200 Mal beschäftigte er die Justiz mit Klagen - am Dienstag stand „Prozesse-Dieter” selbst als Angeklagter vor dem Düsseldorfer Landgericht. Mit dem Ergebnis war der Sozialhilfeempfänger aus Ratingen sichtlich unzufrieden.

Wegen Beleidigung von Juristen und städtischen Beamten in 16 Fällen verurteilten die Richter ihn zu einem Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Der 70-Jährige habe die Empfänger seiner Schmähbriefe „aufs Tiefste getroffen und verunsichert”, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Drees in dem Berufungsverfahren.

Immer wieder hatte „Deutschlands Prozesshansel Nummer 1” in den vergangenen 30 Jahren gegen das Sozialamt seiner Stadt geklagt, um seine Wünsche erfüllt zu bekommen. So forderte er ein Fahrrad, neue Hosen, einen Sessel - sogar eine Klobürste wollte er vor Gericht erstreiten. Wenn er kein Recht bekam oder ein Verfahren aus seiner Sicht nicht schnell genug entschieden wurde, griff er zum Stift und schrieb Briefe oder Karten.

Richter und Staatsanwälte erhielten ebenso Post von ihm wie Sozialamtsmitarbeiter und der Bürgermeister. In den Schreiben beschimpfte „Prozesse-Dieter” die Adressaten in derber Fäkalsprache, wünschte ihnen schlimme Krankheiten oder den Tod. Der Sozialhilfeempfänger bestritt die Vorwürfe vor Gericht nicht, sagte aber, wegen eines Schlaganfalls könne er sich nur noch lückenhaft daran erinnern.

„Das Sozialamt ist mein natürlicher Feind”, erklärte er. Mehrfach musste Richter Drees den Angeklagten rügen, weil dieser ihm ins Wort fiel oder während der Verhandlung Zeitung las. „Ich gebrauche Verbalinjurien nicht, weil ich will, sondern weil ich muss”, meinte der Ratinger. Er halte sich für schuldunfähig. Das sah ein psychiatrischer Gutachter allerdings anders. Wegen der Beleidigungen hatte das Düsseldorfer Amtsgericht den streitbaren Senior schon im vergangenen Jahr zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Dagegen waren „Prozesse-Dieter” und die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen. Das Landgericht griff nun in nächster Instanz härter durch.

Unmittelbar nach dem Urteilsspruch stürmte „Prozesse-Dieter” sichtlich verärgert aus dem Gerichtssaal. Gegen das Urteil kann er Revision beim Oberlandesgericht einlegen - nach seinen Angaben wäre es dann Prozess Nummer 218.