Das sind die Ausstellungen in NRW 2018

Düsseldorf: Ausstellungen 2018: Aktuelle Perspektiven im Kunstland NRW

Frieden, Amerika, Gleichberechtigung der Frauen — das alles sind hochaktuelle Gesellschaftsthemen, die auch in der Kunst diskutiert werden. Ob wenig beachtete Frauen der Moderne oder Kunstströmungen in anderen Ländern - die Museen in Nordrhein-Westfalen zeigen 2018 Ausstellungen, die einen anderen Blick auf die Aktualität ermöglichen. Eine Übersicht für das Jahr 2018.

Frieden: 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Und vor 400 Jahren brach der Dreißigjährige Krieg aus, der 1648 mit dem Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück beendet wurde. Was ist Frieden, und warum ist Frieden so schwer? Die Stadt Münster beschäftigt sich damit in einer Großausstellung an fünf Orten. „Frieden. Von der Antike bis heute“ lautet der Titel des Projekts (28. April - 2.September), an dem das Picasso-Museum, das LWL-Museum für Kunst und Kultur, das Archäologiemuseum der Uni Münster, das Bistum Münster sowie das Stadtmuseum beteiligt sind.

ARCHIV - Der deutsche Künstler Sigmar Polke (1941 - 2010) steht im Kunsthaus Zürich vor seinen Werken (Archivfoto vom 07.04.2005). (dpa: "Neues zu entdecken - Kunstausstellungen in NRW 2018" vom 25.12.2017) Foto: dpa

Amerika: „Es war einmal in Amerika“ - so lautet der an den großen Gangsterfilm angelehnte Titel einer umfassenden Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu 300 Jahren US-amerikanischer Kunst. Mehr als 120 Leihgaben aus den USA und Europa bilden die amerikanische Kunst von der Kolonialzeit 1650 bis zum abstrakten Expressionismus der 1950er Jahre ab. Es dürfte eine Schau werden, mit der man das eigene Amerikabild abseits von Trump und Co. erweitern kann (23. November - 24.März 2019).

Gesichter und Schauplätze, die auch im Kunstjahr 2018 in NRW für Aufmerksamkeit sorgen: (im Uhrzeigersinn von links oben) Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf präsentiert wenig beachtete Künstlerinnen, Sigmar Polkes Werke sind in Leverkusen und Siegen zu sehen, die Kunsthalle Bielfeld feiert doppeltes Jubiläum, die Bundeskunsthalle Bonn zeigt Werke aus allen Schaffensphasen von Marina Abramovic. Foto: dpa

Black & White: Grau sei die „ideale Farbe“, sagte Gerhard Richter einmal. Seit jeher sind Künstler angezogen von einer Welt ohne Farbe. Anhand von etwa 80 Arbeiten aus einem Zeitraum von 700 Jahren präsentiert das Museum Kunstpalast in Düsseldorf in der Ausstellung „Black & White“ (22. März - 15.Juli) die Faszination der Schwarz-Weiß-Malerei. Zu sehen sind Werke von Rembrandt, Rubens, Tizian, Ingres, Edgar Degas, Picasso, Pollock, Bridget Riley, Gerhard Richter und den Zero-Künstlern. Die in Zusammenarbeit von Kunstpalast und National Gallery entstandene Ausstellung läuft in London in anderer Form bereits seit Ende Oktober.

Gesichter und Schauplätze, die auch im Kunstjahr 2018 in NRW für Aufmerksamkeit sorgen: (im Uhrzeigersinn von links oben) Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf präsentiert wenig beachtete Künstlerinnen, Sigmar Polkes Werke sind in Leverkusen und Siegen zu sehen, die Kunsthalle Bielfeld feiert doppeltes Jubiläum, die Bundeskunsthalle Bonn zeigt Werke aus allen Schaffensphasen von Marina Abramovic. Foto: dpa

Anni Albers: Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf setzt ihren Kurs fort, Künstlerinnen zu präsentieren, die in der Kunstgeschichte wenig beachtet wurden. Vom 9.März bis zum 9.September widmet die Landesgalerie der Bauhaus-Künstlerin Anni Albers (1899-1994) eine Retrospektive. Albers, eine der wichtigsten Textilkünstlerinnen im 20. Jahrhundert, stellte die alte Technik des Webens ins Zentrum ihres Schaffens. Mit ihrem Mann Josef Albers emigrierte Anni Albers nach der Machtübernahme der Nazis in die USA. Später wandte sich die immer von Abstraktion faszinierte Albers der Grafik zu. Sie beeinflusste Generationen jüngerer Künstlerinnen - Rosemarie Trockel ist nur eine von ihnen.

Marina Abramovic: Sie ist eine der radikalsten Performance-Künstlerinnen, sie provoziert und berührt: Marina Abramovic (71) lotet immer wieder die eigenen psychischen und körperlichen Grenzen aus. Stundenlang saß die in New York lebende serbische Künstlerin schweigend an einem Tisch, zwölf Tage lebte sie in einsehbaren Räumen und trank nur Mineralwasser. Die Bundeskunsthalle Bonn präsentiert unter dem Titel „The Cleaner“ (20.April - 12.August) eine Ausstellung aller Schaffensphasen aus dem Künstlerleben von Abramovic. Dazu gehören auch Filme, Fotografie, Malerei und Objekte. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit Museen in Stockholm und Dänemark, wo sie schon Station machte.

Haegue Yang: Frauenpower auch im Kölner Museum Ludwig: Dort wird die nach Museumsangaben weltweit erste Überblicksausstellung der südkoreanischen Installationskünstlerin Haegue Yang präsentiert (18. April - 12.August). Die in Deutschland lebende Documenta- und Biennale-Teilnehmerin erhält 2018 den Wolfgang-Hahn-Preis. Zu sehen sind mehr als 120 Skulpturen, Lackbilder, Fotografien, Papier- und Videoarbeiten und raumfüllende Installationen. Jalousien, Glühbirnen, Kabel, Ventilatoren - Alltagsgegenstände werden bei ihr zur Kunst und mit Objekten kombiniert, die aufwendig in Handarbeit produziert wurden.

Sigmar Polke: Er war nicht nur Maler, sondern auch Fotograf und hatte die Kamera immer dabei. Gleich zwei Museen in Leverkusen und Siegen widmen sich 2018 dem fotografischen Werk Sigmar Polkes (1941-2010). Ausgehend von einem umfangreichen Konvolut bisher unveröffentlichter Fotografien zeigt das Leverkusener Museum Morsbroich Polke als experimentierfreudigen „Alchimisten der Dunkelkammer“ und nebenher auch als Chronisten der rheinischen Kunstszene. Nichts war vor Polkes Kamera sicher, oft sind die Aufnahmen absichtlich unterbelichtet oder unscharf (27.Mai - 2.September).

Das Siegener Museum für Gegenwartskunst nimmt die Neuerwerbung des Fotokonvoluts „Von Willich aus. Fotografien 1973-1978“ von Sigmar Polke als Ausgangspunkt einer Ausstellung (4.November - 10.März 2019).

Jankel Adler: Marc Chagall, Paul Klee, Picasso und Otto Dix - sie alle waren mit Jankel Adler bekannt oder befreundet. Adler (1895-1949) galt als wichtiger Impulsgeber der künstlerischen Avantgarde der 1920er Jahre. Der von den Nazis verfemte polnische Künstler selbst ist heute aber weniger bekannt. Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal zeigt nun die erste Retrospektive zu Adler seit 30 Jahren. Für die Ausstellung „Jankel Adler - Der Revolutionär und die Avantgarde des 20. Jahrhunderts“ (17.April -12.August) trägt das Museum rund 200 Werke aus den USA, Israel, Polen und Großbritannien zusammen.

Realismo Magico: Das Museum Folkwang in Essen sucht neue Impulse abseits der ausgetretenen Kunstpfade. Die italienische Malerei der 1920er Jahre, der „Realismo Magico“, wurde lange mit der Neuen Sachlichkeit gleichgesetzt. In der Ausstellung „Unheimlich real“ (28. September -13. Januar 2019) sind rund 70 Gemälde zu sehen, unter anderem von Giorgio de Chirico und Giorgio Morandi. Stets lauert hinter dem Vertrauten das Unheimliche, unter der glatten Oberfläche der Abgrund.

Jubiläum in Bielefeld: Die Kunsthalle Bielefeld feiert gleichzeitig ihr 50. und ihr 90. Jubiläum. Das Museum wurde 1928 gegründet, zog aber 1968 in ein neues Gebäude mit moderner Architektur. Gezeigt werden zum Doppeljubiläum unter dem Arbeitstitel „50“ Werke aus der eigenen Sammlung etwa von Georg Baselitz, Max Beckmann, Blinky Palermo, A.R. Penck und Gerhard Richter.