Aachen: Das Orchester geht zu den jungen Leuten in die Schule

Aachen: Das Orchester geht zu den jungen Leuten in die Schule

Meilensteine der deutschen Klassik und Romantik, reizvolle Einblicke in die Musik Skandinaviens und Russlands sowie einige exotische Beigaben aus dem Reich der Moderne bestimmen das Konzertprogramm des Aachener Sinfonieorchesters mit Generalmusikdirektor Kazem Abdullah in der neuen Spielzeit. Ein Brahms-Abend setzt mit dem Doppelkonzert und der 1. Symphonie einen besonders gewichtigen Akzent.

Schumanns Klavierkonzert (mit der in Aachen lebenden Dina Yoffe), Schuberts große C-Dur-Sinfonie und Mahlers Sechste gehören zu den weiteren Highlights des Standardrepertoires. Lars Vogt in seiner Doppelfunktion als Pianist und Dirigent lockt mit Mozarts d-Moll-Konzert KV 466 und Beethovens 7. Symphonie.

Der 150. Geburtstag von Jean Sibelius wird auch in der kommenden Saison aufgegriffen, unter anderem mit dessen Violinkonzert und Augustin Hadelich als Solisten. Russland ist mit Mussorgskys „Bildern einer Ausstellung“, Tschaikowskys „Romeo und Julia“ sowie der pfiffigen 1. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch vertreten. Erfreulich, dass mit Karol Szymanowskis 1. Violinkonzert (Solistin: Liza Ferschtman) und Witold Lutoslawskis 4. Symphonie nicht nur zwei der bedeutendsten polnischen Komponisten zu hören sind, sondern auch generell wertvolle Schmuckstücke des 20. Jahrhunderts.

Ansonsten ist die Moderne eher mit kleineren Werken von begrenzter Bedeutung vertreten. Originell das Konzert für Tuba und Orchester von Jörg Duda mit dem namhaften Solisten Andreas Martin Hofmeir, unterhaltsam Gershwins „American in Paris“, auf weniger bekannten Pfaden klingend mit dem Adventshymnus „Veni, veni Emmanuel“ des Schotten James MacMillan und mit einem Streicherwerk des Estländers Erkki-Sven Tüür.

Bemerkenswert ist das Engagement, mit dem das Orchester versucht, junge Leute an die große Symphonik heranzuführen. Neben den Kinder- und Familienkonzerten und dem „Ausflug“ zu einem Konzert in die RWTH („Einsteins Musikbox“ mit Kazem Abdullah am Pult) bietet das Orchester unter dem Titel „Music is it!“ eine neue Reihe mit einem Konzert pro Spielzeit für alle ab zwölf Jahren an (Leitung: der 1. Kapellmeister Justus Thorau).

Und vor dem zweiten und vor dem letzten Sinfoniekonzert (18./19. Oktober 2015 bzw. 19./20. Juni 2016) gehen Musiker, Solisten und Pädagogen in Schulklassen, um die Stücke vorzustellen und die Schüler ins Konzert einzuladen. Schulen, die mitmachen wollen, können sich noch bei den Theaterpädagogen bewerben ( 0241/4784423). Und Sponsoren werden auch noch gesucht.

Insgesamt beschert das neue Konzertangebot einen recht geschickt arrangierten Mix aus bekannten, meist aber schon längere Zeit nicht mehr in Aachen aufgeführten Zugstücken und einigen Ein- und Ausblicken in Randbereiche des Repertoires.

Die gewohnten Sonderreihen wie die Kammerkonzerte im Spiegelfoyer, das Domkonzert (mit Verdis Requiem) oder die „Chaplin Filmnacht“ stehen weiterhin auf dem Programm. Besonders gespannt darf man auf den Einstand der neuen Chorleiterin Elena Pierini mit Chorwerken des 20. Jahrhunderts in der wiederhergestellten Aachener Citykirche St. Nikolaus sein.

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