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Aachen: Das künstlerische Gedächtnis Aachens wird aktiviert

Aachen : Das künstlerische Gedächtnis Aachens wird aktiviert

Gab und gibt es in Aachen Orte der Kunst? Allerdings, und das nicht zu knapp. „Wir hatten uns die Zahl 100 vorgenommen, jetzt sind wir schon bei 95“, berichtet Benjamin Dodenhoff, Leiter des Forschungsprojekts Plattform Aachen, der zusammen mit Volontärin Marlen Lienkamp am Mittwoch die Internetseite „www.zeitsprungaachen.de“ an den Start gebracht hat.

Seit 2014 leistet das Team des Ludwig Forums Aachen Detektivarbeit, sammelte rund 100.000 Hinweise — Fotos, Dokumente, Zeitungsartikel, Plakate — aus 52 Jahren. „Es geht um Impulse zeitgenössischer Kunst, die auf die Aachener Szene eingewirkt haben, aber auch von ihr selbst ausgingen und weiterwirkten“, sagt Museumsdirektor Andreas Beitin. Da gibt es Fotos von der blutigen Nase, die sich Joseph Beuys einst in Aachen geholt hat, oder vom Fluxus-bewegten Wolf Vostell, der für Aufregung sorgte.

Beschäftigt mit Vergangenheit und Zukunft: (v. re.) Benjamin Dodenhoff und Marlen Lienkamp vom Forschungsprojekt Plattform, Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forums, und Künstler Timo Seber.
Beschäftigt mit Vergangenheit und Zukunft: (v. re.) Benjamin Dodenhoff und Marlen Lienkamp vom Forschungsprojekt Plattform, Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forums, und Künstler Timo Seber. Foto: Ralf Roeger

Als Begleitung zur Website sieht man im ersten Obergeschoss des Ludwig Forums eine Plakatpräsentation. An drei Tablets können Nutzer vor Ort die interaktive Karte aufrufen, auf der blaue Pfeile „Kunst“ signalisieren — von der kleinen Studentengalerie bis zum Museum. Und es geht weiter: Die Plattform Aachen wartet nun auf Hinweise und Erweiterungen. Unter dem Stichwort „Mitmachen“ sollten sich alle melden, die dem Zeitsprung noch ein bisschen auf die Sprünge helfen können.

Einen „Zeitsprung“ vollführt zur gleichen Zeit der Kölner Künstler Timo Seber (31) im Obergeschoss des Ludwig Forums — allerdings sehr real. Unter dem Titel „Go“ zeigt er in der Plattform-Reihe „Perspektive“ ab Samstag Objekte, die Virtuelles und konkret Greifbares miteinander verbinden.

Ästhetische Phänomene des Internets, speziell des „Online Gamings“ werden thematisiert. Handfeste Taue verbindet Seber mit Plexiglasflächen, die vom harten Geldverdienen durch Computerspiele künden — spielerisch und doch kritisch. Ausgangsmotiv ist „South Park“, die amerikanische Animationsserie von Trey Parker und Matt Stone, inklusive Männchen, Dollarzeichen und bissiger Kritik.

An den Wänden strecken sich schlanke Plexiglasbeine mit Sportsocken — wer wird sich denn noch persönlich auf den Sportplatz bewegen, wo man das doch alles virtuell tun kann...?