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Heimbach: Das Kraftwerk ist erfüllt von klanglichen Wundern

Heimbach : Das Kraftwerk ist erfüllt von klanglichen Wundern

Groß besetzte Meilensteine der sonst eher intimen Gattung eröffnen dem Kammermusikfestival „Spannungen - Musik im Kraftwerk Heimbach” in diesem Jahr orchestrale Dimensionen.

Die Chance, ausgiebig mit dem jungen englischen Dirigenten Daniel Harding zusammenarbeiten zu können, dem fraglos eine ähnlich gesunde Karriere wie seinem Lehrmeister Simon Rattle vorausgesagt werden darf, nutzt Lars Vogt effektiv.

Mit viel Elan

So endeten die Konzerte am Dienstag und Mittwoch jeweils mit einem epochalen Schlüsselwerk symphonisch angehauchter Kammermusik, nämlich mit Mozarts „Gran Partita” für Bläserensemble und Arnold Schönbergs Kammersymphonie Nr. 1 op. 9.

Die klanglichen und melodischen Wunder der großen Mozart-Partita kamen nicht minder zur Geltung als die bei Mozart singulär verschmolzene Symbiose von spielfreudigem Elan und abgeklärter Gelassenheit. Für einen durchschlagenden Erfolg garantierte die Extra-Klasse der Bläser, zu denen Mizuho Yoshii und Christian Wetzel (Oboe), Sharon Kam und Jörg Widmann (Klarinette) sowie der Fagottist Dag Jensen und die Hornistin Marie-Luise Neunecker gehörten, aber auch die penible Einstudierung durch den Dirigenten. Für den einzigen Wermutstropfen sorgte die nicht unübliche, aber verfälschende Besetzung der Kontrabass-Stimme mit einem Kontrafagott.

Schönbergs Kammersymphonie mit ihren 1906 irritierenden Quart-Kaskaden erfüllten Ensemble und Dirigent mit einer Energie, die das Selbstbewusstsein des jungen Komponisten, aber auch die Aufbruchstimmung der Zeit mit einer solch prallen Vitalität zum Ausdruck brachte, dass die akustischen Grenzen des Kraftwerks berührt wurden.

Einer Ehrenrettung des recht ungeliebten letzten Klaviertrios von Robert Schumann kam die Darstellung durch Christian und Tanja Tetzlaff (Violine und Violoncello) sowie den Pianisten Leif Ove Andsnes gleich, auch wenn man das Hauptthema des Kopfsatzes so eigenwillig phrasierte, dass die charakteristisch punktierte Rhythmik kaum hörbar wurde.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgten die Mezzosopranistin Stella Doufexis und ihre neun Mitstreiter mit einer duftigen und konzentrierten Interpretation der „Trois Poèmes de Stéphane Mallarmé” von Maurice Ravel. Die „Modernität” dieser vielleicht kühnsten Komposition Ravels kam plastisch zum Ausdruck.

Solistische Beiträge der absoluten Extraklasse steuerte die Klarinettistin Sharon Kam bei, einmal die stilistisch weit gestreute Rhapsodie Nr. 1 von Claude Debussy (mit Sheila Arnold am Klavier) und einen Tag später die „Vier Stücke für Klarinette und Klavier” op. 5 von Alban Berg (mit Leif Ove Andsnes).

Am Freitag (20 Uhr) steht Robert Schumann im Mittelpunkt des Programms. Dessen Klavierquintett op. 44 sind thematisch verbundene Kompositionen aus unserer Zeit von Kurtág und Jörg Widmann vorgeschaltet. Außerdem steht die Uraufführung eines Oktetts von Widmann, dem diesjährigen „Composer in Residence”, an.

Eine Einführung in das Programm um 18 Uhr in der Burg Heimbach.

Es gibt nur noch Restkarten gibt es unter 0175/5987970.