Aachen: Das junge Grenzlandtheater Greta präsentiert „Nach Toronto!“

Aachen: Das junge Grenzlandtheater Greta präsentiert „Nach Toronto!“

„Kevin fordert: Alles so wie früher“. Das klebt an dem Bus, mit dem Sophie und Kevin das Weite suchen wollen. Weit weg von den Eltern, die die beiden durch eine Hochzeit zwischen Kevins Vater und Sophies Mutter ungefragt zu Geschwistern machen.

Kevins Forderung kommt von tiefstem Herzen, aber ist sie die Lösung? Mit „Nach Toronto! . . . oder meine Mutter heiratet deinen Vater“ von Heike Falkenberg feierte am Freitag das junge Grenzlandtheater Greta Premiere im Aachener St.-Ursula-Gymnasium.

Kevin und Sophie hauen von der Hochzeit ab — unabhängig voneinander, denn leiden können sich die beiden Jugendlichen nicht. Sie treffen sich im Bus, der sie nirgendwohin bringt, außer etwas näher zueinander.

Konstantin Hertel spielt einen nervösen, zutiefst unglücklichen Kevin. Er weiß, dass man nicht ohne Vorbereitung abhauen kann. Wasser braucht man und Proviant. Und ein Seil kann auch nicht schaden. Ein Kindskopf steckt zugleich in ihm: Er pöbelt, turnt über die Sitze des Busses und schließt ihn kurz, weil der Fahrer einfach nicht auftaucht.

Sophie, gespielt von Katrin Wolter, scheint da zunächst deutlich oberflächlicher. Sie ist strebsam, weiß vieles und vieles besser. Auch von der Flucht scheint sie nicht endgültig überzeugt. Oder warum hat sie den Brief von Oma Toronto, in dem angeblich das Geld fürs Flugticket steckt, immer noch nicht geöffnet?

Dass in ihr ebenso viel Unglück und zugleich wilde Freude an Unfug steckt wie in Kevin, kommt erst später zu Tage. Obwohl beide Schauspieler sichtbar dem Teenager-Alter entwachsen sind, bringen sie die Zerrissenheit, das ewige Hin und Her der Gefühle glaubhaft auf die Bühne und fesseln die Fünft- und Sechstklässlerinnen sichtbar. Regisseur Fabian Goedeke erntet für sein Regiedebüt viel Applaus. Für besondere Aufmerksamkeit bei den Schülerinnen sorgte das Bühnenbild (Manfred Schneider): ein Bus auf einer Drehbühne aus echten Buselementen der Aseag gebaut.

Das Stück „Nach Toronto!“ wird nach den Aufführungen im Aachener St.-Ursula-Gymnasium noch in Alsdorf (Energeticon), Monschau (St.-Michael-Gymnasium) und in Stolberg (Kulturzentrum Frankental) zu sehen sein. Die Termine sind nur für Schulklassen vorgesehen.