1. Kultur

Bonn: Das Ende der fetten Jahre: Wegen Untreue sechs Jahre Haft

Bonn : Das Ende der fetten Jahre: Wegen Untreue sechs Jahre Haft

Es ist sein letzter großer Auftritt: Michael R. (53) wird von Blitzlichtgewitter empfangen - und lässt sich von den Filmkameras bis zur Anklagebank begleiten. Dann sitzt er ein wenig geknickt da, der ehemalige Beamte der obersten deutschen Finanzaufsicht BaFin.

Wenige Minuten später fällt das Urteil und zieht juristisch den Schlussstrich unter das Leben eines „modernen Hochstaplers”, wie es der Staatsanwalt formuliert hatte.

Einem Mann, der nicht genug bekommen konnte an Aufmerksamkeit, Anerkennung - und Millionen. Und dafür „mit großer Dreistigkeit” über Jahre den Etat der Bundesbehörde „ausplünderte”. Am Ende waren es 7,3 Millionen Euro.

Die Bonner Wirtschaftsstrafkammer hat Michael R. gestern nach nur zehn Verhandlungstagen zu sechs Jahren Haft verurteilt - wegen Untreue und Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall. Insgesamt 89 Fälle rechnen die Richter am Ende zusammen. Der Angeklagte hatte sich durch sein umfassendes Geständnis viele Pluspunkte geholt.

Auch im Prozess habe der Angeklagte die Vorwürfe „nicht nur blind abgenickt, sondern auch Rede und Antwort gestanden”, lobte der Vorsitzende Richter Hinrich de Vries. Damit habe er zur immensen Verkürzung dieses umfangreichen Korruptionsverfahrens beigetragen.

Dennoch - so heißt es in dem hundert Seiten starken Urteil - der Schaden sei immens. Viele Jahre habe der Angeklagte als Amtsträger die Kontrollmechanismen der BaFin ausgehebelt, habe mit zwei Geschäftsleuten korrupte Vereinbarungen geschlossen - um sich „im Glanz eines exklusiven Lebens zu sonnen”.

Dabei hatte Michael R. sich bereits durch manipulierte Dokumente die Beamtenlaufbahn erschlichen. Der ehemalige Bundesbeamte hat weder mittlere Reife, Studium noch Doktortitel. Bei seiner Bewerbung mit den falschen Papieren war der angebliche Informatiker jedoch gleich bei drei Bundesbehörden erfolgreich gewesen. Seiner eigenen Familie, die in Wermelskirchen lebt, hatte er in den letzten Jahren vor der Verhaftung im April 2006 vorgegaukelt, er sei Staatssekretär im Auswärtigen Amt, zuständig für die Geiselbefreiung im Ausland.

Mit den Millionen hat er sich ein Luxusleben der „Extraklasse” finanziert: 350-Quadratmeter-Wohnung in Berlin, teure Autos, luxuriöse Fernreisen, mehrere Geliebte und einen Chauffeur in Berlin. Der auch schon mal als Bodyguard mit Spielzeugpistole eingesetzt wurde, wenn der falsche Diplomat seine Bedeutung unterstreichen wollte.

Der Vorsitzende Richter am Ende des Urteils: „Die fetten Jahre in Berlin müssen jetzt einige magere Jahre nach sich ziehen.” Der Verteidiger lobt das „absolut gerechte” Urteil. Michael R. tritt sichtlich erschöpft vor die Kameras. Zögerlich erklärt er: „Ich hoffe, dass ich nach vier Jahren aus dem Vollzug komme. Wegen guter Führung.” Im Hintergrund warten seine Frau und seine zwei Töchter, die - nach allem - immer noch zu ihm halten.