Das da Theater: Von blöden Küssen und starken Kindern

Kostenpflichtiger Inhalt: Stück im Das Da Theater : Von blöden Küssen und starken Kindern

Ein heikles Thema gelungen umgesetzt: Das Aachener Das Da Theater zeigt „Ben & Becca“ für Zuschauer ab sechs Jahren.

Es gibt gute Küsse und welche, die nicht so schön, aber auch nicht so schlimm sind. Von Knutsch-Omas zum Beispiel. Und dann gibt es die, die einem Angst machen und ein sehr schlechtes Gefühl im Bauch. Alle diese Kussformen kommen in Maren Duponts Stück „Ben & Becca – Zusammen sind wir stark“ vor, das nun in der Inszenierung von Tom Hirtz im Aachener Das Da Theater Premiere feierte. Sie greifen damit ein sensibles Thema – sexueller Missbrauch – in einer einfühlsamen Geschichte für Kinder ab 6 Jahren auf. Nicht die Angst steht im Vordergrund, sondern die Kraft der Freundschaft und die Stärke von Kindern, die den Mut haben, im richtigen Moment Nein zu sagen.

Viel hat Dupont in ihrem Stück, das bereits vor neun Jahren als „Stopp mal!“ im Das Da Theater uraufgeführt wurde, verpackt: Ben sagt erst einmal zu allem Nein, egal ob es wichtig und sinnvoll oder rechthaberisch und energieverschwenderisch ist. Becca ist das glatte Gegenteil. Sie wehrt sich allerhöchstens halbherzig und versucht lieber, den übergriffigen Bäcker zu meiden, als ihm deutlich zu verstehen zu geben, dass sie seine Küsse nicht akzeptiert. Im Laufe der einstündigen Geschichte lernen aber beide voneinander, so dass sie am Ende – natürlich – gut ausgeht. Obwohl so viele Facetten in „Ben & Becca“ stecken, verfolgt auch das junge Premierenpublikum die Geschichte höchst gebannt.

Möglicherweise Dank des Tempos, das Hirtz durch im Off gesprochene Texte noch einmal erhöht hat. Manchmal ist es so hoch, dass es Madeline Hartig und Cornelius Engemann kaum in ihre Kostüme schaffen, um in eine neue Rolle zu schlüpfen. Sie spielen neben Ben und Becca auch den Bäcker, Bens Mutter, Beccas Mutter, Beccas Vater, Bens Oma und den Pfleger Heinz-Otto. Zudem lässt ihnen die Drehbühne (Bühnenbild: Frank Rommerskirchen) nur wenig Platz, trotz fetziger Gesangs- und Tanzeinlagen (Musik: Chistoph Eisenburger) und waghalsiger Balkonszene aus „Romeo und Julia“, die Becca mit Ben in ihrem Zimmer probt.

Von Unsicherheit ist bei den beiden jungen Schauspielern allerdings nichts zu spüren. Sie spielen mitreißend, heimsen zu Recht Szenenapplaus ein und begeistern Alt und Jung, besonders als Oma und Pfleger Heinz-Otto. Eine gelungene Umsetzung eines heiklen, aber immens wichtigen Themas.

Weitere Termine im Das Da Theater in der Liebigstraße in Aachen am 16., 17. November, 14., 15. Dezember und 1. März, 14.30 Uhr. Bis Juni zudem Aufführungen in Grundschulen der Städteregion. Dafür gibt es noch freie Termine. Infos im Web gibt es unter www.dasda.de.