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Aachen: Das Da Theater: Für Klein und Groß hart am Puls der Zeit

Aachen : Das Da Theater: Für Klein und Groß hart am Puls der Zeit

48.000 Zuschauer pro Jahr, davon 30.000 Kinder und Jugendliche; über 470 Vorstellungen pro Saison, davon 300 mobile in Kitas, Kindergärten und Schulen: Das kann man wohl mit Fug und Recht einen Faktor nennen, den das Aachener Das Da Theater im Kulturleben unserer Region darstellt.

Kein anderes Theater kümmert sich auch nur annäherungsweise derart intensiv und umfangreich um das ganz junge Publikum. Und subventioniert wird das Riesenprogramm seitens der Stadt Aachen gerade mal mit einem einzigen Euro pro Eintrittskarte. Dass diese Summe beim Stadttheater mit über 140 Euro pro Ticket ausfällt, erwähnt Theaterleiter Tom Hirtz bei der Vorstellung des neuen Spielplans zwar, allerdings nicht, um daraus utopische Ansprüche abzuleiten. Nur so eben — ganz beiläufig, einfach zum Vergleich.

„Mit 50.000 Euro mehr pro Jahr könnte ich unsere Mitarbeiter wenigstens einigermaßen vernünftig bezahlen“, sagt er. Jetzt arbeiten sie für den berühmten Appel und ‘n Ei: für 1250 Euro brutto im Monat. Der Mindestlohn in der Branche liegt bei 1600 Euro, mit dem doppelten Zuschuss wäre das bereits zu leisten . . .

Voller Idealismus

Idealismus und Leidenschaft treibt die „Dasdaianer“ offensichtlich auch noch im 26. Jahr ihres Bestehens an — und damit haben sie wieder einen spannenden Spielplan auf die Beine gestellt, der auf- und anregende Theaterstunden für Groß und Klein verspricht. Zwei Aachener Erst- und zwei Uraufführungen sind unter den acht Produktionen — wenn das nichts ist . . .

Das Stück für die ganz Kleinen (ab drei Jahren) ist eine eigene Das-Da-Fassung der wunderschönen Geschichte von Janosch: „Oh, wie schön ist Panama“. Sogar die Musik dazu wird gerade selbst geschrieben. Das Land der Träume, wo man sich zu Hause fühlt — muss man dafür wirklich weit verreisen? Darum geht es — und natürlich auch um Freundschaft. Die mobile Premiere im Hof in Aachen, in der Nähe des Doms, ist zugleich die Eröffnung des diesjährigen Theater-Starter-Projekts.

Den Menschen ab sechs Jahren wird das Stück „Eine Woche voller Samstage“ nach Paul Maar zu Herzen gehen. Die Geschichte des Sams‘, das die wohleingerichtete kleine Welt des Herrn Taschenbier ganz schön durcheinander bringt, ist dabei mit dem hintergründig versteckten, sympathischen Appell verbunden, alles nicht so ganz bierernst zu nehmen und mit ein bisschen Mut das eigene „Köpfchen“ durchzusetzen.

Die Saison startet mit der Farce „Ursprung der Welt“ von Soeren Voima und einem Thema hart am Puls der Zeit: Ein Deutsch-Iraner bringt eine völlig verschleierte Frau aus dem Iran nach Deutschland mit, um sie zu heiraten — westliche Toleranz und muslimisches Traditionsbewusstsein prallen aufeinander. Eine Aachener Erstaufführung ebenso wie „Angerichtet“ von Herman Koch. Der bühnenmäßig adaptierte Roman-Bestseller aus den Niederlanden dreht sich um eine schwere Tat zweier Jugendlicher und den problematischen Umgang ihrer Eltern damit. Der Zuschauer wird in seinen eigenen moralischen Vorstellungen und Urteilen hin- und hergerissen.

Unvergessen ist Alan Ayckbourns „Haus & Garten“ als Bühnenerlebnis im Zweierpack von 2005 im Das Da Theater. Das Experiment der Doppelaufführung eines Stück aus verschiedener Perspektive wird mit „Morgenstern“ von Maren Dupont wiederholt — als Uraufführung. Während die Band „Morgenstern“ auf der einen Bühne ein rockiges Konzert gibt, zanken sich die Beteiligten spannungsgeladen auf der zweiten tüchtig im Backstagebereich. Nach der Pause wechselt das Publikum die Plätze — und erlebt einiges an Überraschung.

Mit „Reflexionen“ besetzt das Das Da Theater sogar die — außer den Gästen beim Schrittmacher-Festival — in Aachen sonst abwesende Sparte Tanztheater mit einer Choreographie von Heike Sievert im Space des Ludwig Forums. Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ ist Open Air für die Burg Frankenberg vorgesehen. Zu Weihnachten gibt es an drei Abenden ein Konzert der New Yorker Jazz-Legende Elaine Woodard.

Und ein ganz besonderes Schmankerl ist als „Theaterdinner“ bei Leckereien in der Aachener Brasserie Aix zu erwarten: Peter Pappert, seit 1994 Dramaturg, Autor und Förderkreismitglied bei den Dasdaianern, hat ein Stück namens „Bella Italia“ geschrieben — eine Dreiecksgeschichte um ein kellnerndes italienisches Geschwisterpaar und deren Freund. Pizza, Pasta, Das Da — was begehrt das Herz eigentlich mehr?