Aachen: Das Da Theater: Ein Puzzle aus zwei Teilen

Aachen: Das Da Theater: Ein Puzzle aus zwei Teilen

„Was passiert da jetzt wohl gerade?“ Diese Frage dürfte jedem Besucher der Uraufführung des Stücks „Morgenstern“ im Aachener Das Da Theater durch den Kopf gegangen sein. Denn Autorin und Regisseurin Maren Dupont verlegt die Handlung um eine erfolgreiche deutsche Band auf zwei getrennte Bühnen.

Hier die Konzerthalle, da der Bereich hinter dem Vorhang. Die Handlung geht weiter, wenn ein Akteur den einen Bereich verlässt und im anderen auftaucht. Nur: Als Zuschauer sieht man immer nur einen Teil. Was im anderen geschieht: ein Rätsel, ein Puzzle aus zwei Teilen. Kopfkino.

Es läuft nicht rund

Den Rahmen für dieses ungewöhnliche Konzept bildet die fiktive Band Morgenstern: die drei Brüder Nik (Tobias Steffen), Phil (Philip Butz) und Jonas (Mike Kühne), die Sängerin Kyra, Niks Ehefrau (Rebecca Selle), die beiden Backgroundsängerinnen Aalia (Michelle Bray) und Randy (Elena Lorenzon). Ihnen zur Seite steht eine vierköpfige Band, die den Sound produziert: Christoph Eisenburger (Keyboard), Tom Schreyer (Gitarre), Stephan von Zedlitz (Bass) und Valentin Zaun (Drums). Dass das Konzert allerdings nicht rund läuft, zeigt sich anfangs nur in Nuancen, in Blicken, kleinen Gesten. Sänger gehen ab und kommen nicht oder erst spät zurück. Und wieder die Frage: Was passiert da gerade?

Nebenan, zwischen Sitzecke, Billard und Schminktisch, bröckelt die Fassade, der schöne Schein eigt sich als genau das: Schein. Bandmanager Leo (Diego Carlos Seyfarth) fasst es so zusammen: „Ist heute der Tag der Abrechnung?“ Lügen werden entlarvt, Geheimnisse ans schummrige Licht gezerrt. Da gibt es Generve, weil jemand eifersüchtig ist, stärker ins Rampenlicht möchte. Und da gibt es die echten, die großen Themen: HIV und der Krieg in Syrien etwa. „Jungs, das sind richtige Probleme“, sagt da Phil. Doch welchen Einfluss diese Verwerfungen auf das Konzert haben, erfährt der Zuschauer wiederum nur in Halle 1, dem Konzertsaal.

Besonders spannend ist das Timing: Die Schauspieler müssen mit äußerster Präzision agieren; ein verspäteter Einsatz hätte gravierende Folgen auf den Fortgang. Oder führt schon mal — ohne zu viel verraten zu wollen — zu einem unerwarteten Solo.

Nach etwas mehr als einer Stunde ist Pause. Danach tauschen die Zuschauer die Säle, um die andere Ebene mitzuerleben. Für die Darsteller allerdings beginnt die Geschichte von vorne: Sie spielen ihr Stück an einem Abend zweimal; so können die Zuschauer beide Hälften sehen. Egal, ob man im Konzert oder backstage beginnt: Die Fragen, die man sich unweigerlich stellt, weil der Handlungsablauf Leerstellen produziert, sind am Ende geklärt. Es fügt sich alles zusammen. Und als die mit viel Spiellust agierenden Darsteller zum Schlussapplaus auf die Bühne(n) kommen, spendet das Premierenpublikum begeisterten Beifall.