Aachen: Dannys Weg in schmerzliche Dunkelheit

Aachen: Dannys Weg in schmerzliche Dunkelheit

Dumpfes Dröhnen erfüllt den weiten dunklen Raum, es schwillt an bis zur Schmerzgrenze, erreicht den Kopf und die Brust, dort, wo man atmet und wo das Herz schlägt.

Für einen kurzen Augenblick vermittelt Regisseurin Ewa Teilmans den Zuschauern des Theaters Aachen eine Ahnung von jener dröhnenden Qual, die Danny, Heimkehrer aus dem Irakkrieg, zu all dem treibt, was dann passiert, die tief in ihm sitzt und die keiner verstehen kann oder will.

„Motortown”, das Stück des britischen Autors Simon Stephens, uraufgeführt 2006, erzählt vordergründig die Geschichte eines jungen Soldaten, der nach den Gräueln des Krieges, an denen er beteiligt war, in eine Heimat zurückkehrt, in der man nichts von dem hören will, was ihm auf der Seele brennt.

Das moralische Chaos

Stephens, Jahrgang 1971, hat mit „Motortown” nicht etwa ein Stück „für oder gegen den Krieg” geschrieben”. Die Geschichte bietet vielmehr die Projektionsfläche für das „moralische Chaos” in einer Gesellschaft, die sich von England ohne weiteres auf ganz Westeuropa ausdehnen lässt.

Diese im wahrsten Sinne des Wortes „unheimliche” Nähe vermittelt Bühnenbildner Oliver Brendel eindrucksstark von der ersten bis zur letzten der acht Szenen. Sandra Münchow hat für typgerechte Kostüme gesorgt, die den Figuren ihren Ort zuweisen. Florian Schmidt-Gahlen gibt diesem traumatisierten, seelisch zutiefst verletzten jungen Mann mit bewegender Intensität und beunruhigender Überzeugungskraft Gestalt. Ewa Teilmans´ Regie ist konsequent und setzt auf Tempo und psychologische Feinheiten. Oleg Zhukov ist „Lee”, Dannys geistig leicht behinderter Bruder, der in seiner Einfalt dem Gequälten tatsächlich noch so etwas wie Nähe geben kann. Zhukov verkörpert ihn authentisch, zäh und zerbrechlich zugleich.

Starker Beifall, besonders für den Hauptdarsteller, belohnt die große Leistung aller Beteiligten.

Weitere Aufführungen: Theaterstück von Simon Stephens, Theater Aachen, Großes Haus. Aufführungen am 21. und 24. Januar, 7. und 11. Februar, jeweils 19.30 Uhr. 15. Februar, 18 Uhr, 18. Februar, 27. Februar, 20 Uhr, 13. März, 9. April, 19.30 Uhr.

Rahmenprogramm: heute, 20 Uhr, Spiegelfoyer, „Wir sind immer noch in der Wüste”, Podiumsgespräch mit Kriegsteilnehmern; Dienstag, 20. Januar, 20 Uhr, Spiegelfoyer, „Woyzeck hört Motortown”; 21. Januar, 21 Uhr, Abschlussveranstaltung im Spiegelfoyer.

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