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Aachen: Damen steigern die Virtuosität

Aachen : Damen steigern die Virtuosität

Die Damen gaben im 3. Kammerkonzert im restlos ausverkauften Spiegelsaal des Aachener Theaters den Ton an. Den erfreulich ausgeglichenen Eindruck des Konzerts allein der weiblichen Übermacht zuzuschreiben, wäre allerdings nicht nur chauvinistisch, sondern auch falsch.

Immerhin: es stellte sich eine weibliche Streichquartettformation vor, die mit einer Beethoven-Interpretation aufwartete, die zum Besten gehört, was die Kammerkonzert-Serie in dieser Saison zu bieten hatte.

Die Geigerinnen Stephanie Bock und, als Gast aus Maastricht, Corinna Baldus, die Bratschistin Andrea Böhnel sowie die Cellistin Frauke Müller musizieren bisher nicht fest zusammen, wirkten aber glänzend aufeinander eingespielt und bestachen mit einer spannenden und nahezu ausgefeilten Darstellung von Beethovens schwierigem Quartett in c-Moll op. 18,4.

Es wurde minutiös präzise phrasiert, man verfügte über eine große dynamische Bandbreite, agierte quicklebendig und dennoch hintergründig. Nicht zuletzt blieb man auch den spieltechnischen Anforderungen kaum etwas schuldig, so dass die vier Damen ihre Zusammenarbeit unbedingt vertiefen sollten.

Musikalische Vitalität

Gleichzeitig schlug hier eine musikalische Vitalität durch, die man sonst in den Kammerkonzerten nicht oft erlebt. Und man widmete sich einem substanzreichen Schlüsselwerk des Repertoires, mit dem man sich - Können vorausgesetzt - dankbar in Szene setzen kann.

Bei Camille Saint-Saens skurrilem Septett für Streichquartett, Kontrabass, Trompete und Klavier mussten die Damen hörbar kleinere Brötchen backen. Der lockere Divertimento-Charakter des Stücks wurde gleichwohl von allen Musikern stilsicher getroffen, wobei Volker Hiemeyer sich am Klavier soweit zurücknahm, dass die sonst so großen Balanceprobleme zwischen Klavier und Melodieinstrumenten kaum ins Gewicht fielen.

Das betrifft auch die formal und melodisch schlichten „Schilflieder” nach Gedichten von Nikolaus Lenau des großen Liszt-Verehrers August Klughardt. Fünf Impressionen für Oboe, Viola und Klavier erklangen, die vor allem durch ihren feinen und alles andere als vollgriffig-donnernden Klaviersatz überzeugten, den Moritz Gnann sensibel ausführte.

Einen hervorragenden Eindruck hinterließ zum Auftakt des Programms auch die Kontrabassistin Sandra Borchers in einem neu arrangierten Duo für Viola und Kontrabass von Giovanni Bottesini. Die Musikerin bewältigte die hochvirtuosen Anforderungen nahezu mühelos. Begeisterter Beifall. Das Konzert wird am heutigen Abend um 20 Uhr im Spiegelsaal des Theaters wiederholt.