Heerlen: Cultura Nova sorgt in Heerlen für Zirkus, Theater und Musik

Heerlen: Cultura Nova sorgt in Heerlen für Zirkus, Theater und Musik

Aufblasen kann nicht nur Christo. Bauen mit Luft ist auch das Metier der Architects of Air. Was der weltbekannte Verpackungskünstler zurzeit im Gasometer Oberhausen in strahlendem Weiß zelebriert, kann die Gruppe aus Nottingham in Farbe. Vielleicht nicht ganz so monstermäßig gigantisch, aber ebenfalls begehbar: Ein gut zehn Meter hohes aufblasbares Objekt werden sie vor dem Heerlener Theater errichten.

Wer durch dieses Labyrinth aus Stoffschläuchen spaziert, darf im Licht baden — rot, blau, grün. So entspannend wird sicherlich nicht alles beim Sommerfestival Cultura Nova, aber so quietschbunt strahlt wieder mal das ganze Programm.

In seine 23. Auflage passt ein internationaler Mix aus Zirkus, Schauspiel, Musiktheater, Film, Konzerten und bildender Kunst für ein ebenfalls bunt gemischtes Publikum. Rund 42.000 Besucher strömten im Vorjahr zum Festival nach Limburg, berichtet der Macher Fiedel van der Hijden. Etwa so viele erhofft sich der 55-jährige Niederländer auch für die rund 150 Veranstaltungen von Freitag, 23. August, bis Sonntag, 1. September, an verschiedenen Spielorten in Heerlen und Umgebung.

Bestimmt kommen wieder einige aus dem Raum Aachen. Denn Sprachbarrieren sind oft leicht zu überwinden. Besonders, wenn Bilder mehr sagen als Worte. Etwa bei der Eröffnung: Ausgestattet mit Instrumenten, Beamern und Tabletcomputern zieht die französische Gruppe KompleXKapharnaüM durchs Zentrum Heerlens, projiziert Videos auf Gebäude und erzählt von der Geschichte des Menschen und der Stadt (Start am Freitag, 23\. August, 21\.30 Uhr, auf dem Rathausplatz, Eintritt frei).

Solche urbanen Erkundungen, in die Geschichte des Bergbaus, zu Taubenzüchtern oder mitten hinein in Wohnzimmer, bilden einen Schwerpunkt — rund um das Thema Identität. Erzählen lassen sich die Geschichten auch ohne Hightech, betont Fiedel van der Hijden. Man wolle sich ein wenig auf die Wurzeln des Theaters zurückbesinnen. Superteure Produktionen müsse man auch einschränken, da Sponsoren einen Rückzieher gemacht haben und das Budget um rund 60\.000 Euro auf 900\.000 Euro runtergefahren werden musste. Ganz einfach und überaus poetisch präsentiere etwa der „Zigeunerzirkus“ aus Paris Artistik, Akrobatik und Lieder über die Suche nach Freiheit. „Die Familie rollt einen Teppich aus und bringt ihre Geschichte mit“ (mehrere Termine im Theater Heerlen).

Das ist nur ein kurzer Blick in das Riesen-Angebot von 40 Ensembles aus acht Ländern. Auch nach Aachen streckt Cultura Nova wieder seine Fühler aus: zum Beispiel im Film-Projekt „Der Weg“ mit dem Aachener Musiker Heribert Leuchter oder dem Aachen-Heerlen-Ideen-Forum „TEDx Eutro- polis“. Vielleicht springen da ja noch ein paar Visionen für die so sehnsüchtig erwartete europäische Kulturhauptstadt 2018 heraus?

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