Cultura Nova in Heerlen startet mit "Romeo und Julia"

„Cultura Nova“ in Heerlen : Spektakel zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Das Heerlener Sommerfestival Cultura Nova bietet wieder einen internationalen Theater- und Musik-Mix für alle Sinne. Eröffnet wird es am 23. August mit „Romeo und Julia“ in einer modernen Open-Air-Version.

Spektakel zu Lande, zu Wasser und in der Luft – toastbrot­trockenes Texttheater hat das Sommerfestival Cultura Nova ja eigentlich noch nie geboten. Auch die 29. Ausgabe verspricht nun wieder sinnliche Spiele mit den Elementen. Und ein bisschen Nervenkitzel darf natürlich nicht fehlen. Der internationale Mix aus Zirkus und Schauspiel, Musik und Tanz, bildender Kunst und Film, Workshops und Diskussionen lockt Jahr für Jahr ein ebenfalls bunt gemischtes Publikum.

Rund 70.000 Besucher strömten 2018 zum Festival nach Limburg – 10.000 mehr als im Vorjahr, berichtet der niederländische Leiter Fiedel van der Hijden (61). Bestimmt kommen diesmal wieder einige aus dem Raum Aachen. Das Festivalzentrum Heerlen liegt nur etwa 20 Autominuten von Aachen entfernt, und Sprachbarrieren sind oft leicht zu überwinden.

Rund 60 Ensembles aus ganz Europa und darüber hinaus gastieren vom 23. August bis zum 1. September in rund 200 Veranstaltungen an 25 verschiedenen Spielorten in Heerlen und Umgebung. „Language no problem!“, lautet ganz oft das Motto. Bilder, Töne und Körper erzählen dann mehr als Worte. Etwa bei der Eröffnung.

Tragische Liebe: Wie gewohnt im großen Stil startet das Festival open Air. Ungewöhnlich allerdings, dass ein „richtiges“ Theaterstück auf dem Programm steht – und was für eins: Shakespeares „Romeo und Julia“! Doch wer jetzt an historische Kostüme, Standbein, Spielbein und lange Dialoge denkt, liegt falsch. Eine „raue Version“ in heutiger Zeit verspricht van der Hijden. Und – na klar – ein Spektakel. Dafür sorgen soll die Toneelgroep Maastricht gemeinsam mit drei französischen Ensembles: den Pyrotechnikern der Groupe F sowie den Kletter- und Luftkünstlern von La Fabrique Royale/Zéro Degré und Aérosculpture. Auf dem Burgemeester van Grunsvenplein, dem Platz vor dem Heerlener Theater, wird die bekannte Tragödie mit sehr wenig Text auskommen. Also: „Grote gebaren“ (große Gesten) statt vieler Worte. Schauspieler mit Masken, vier Chöre aus Limburg, Musiker und Streetdancer sollen aus dem Liebesleid des jungen Paars und dem Fight der Familien poppig-modernes Musiktheater machen.

Was genau in der Luft abgeht, ist noch gar nicht so klar, denn „Romeo und Julia“ ist keine gekaufte Tourproduktion, sondern wird zurzeit eigens für Heerlen einstudiert. So viel sei aber verraten: Für die berühmte Balkonszene reicht ein Balkon nicht aus – es werden ganz viele der Häuser um den Platz herum erklommen. „Die sind schon ein bisschen verrückt!“, sagt van der Hijden und schüttelt lächelnd den Kopf über die Fassadenkletterer. Aber das ist der gewisse Kick, der Cultura Nova so besonders macht. Selbstverständlich alles im Einklang mit Feuerwehr und Behörden, betont der Festivalmacher. Allerdings sollten Kinder, für die der Auftakt auch geeignet sein soll, so manche Flug- und Flammeneinlage besser nicht nachmachen! Das Ganze startet am Freitag, 23. August, ab 21.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Eine Tanz-Performance von Anthony Nestel und Esther Arribas erwartet die Zuschauer. Foto: anthony nestel

Nasser Traum: In der Quarzsandgrube Beaujean, wo im Vorjahr 8000 Zuschauer „Carmina Burana“ erlebten, werden nun riesige „Staubsauger“ ausgepackt – um einen See zu schaffen. Denn für das französische Ensemble Ilotopie wird das Wasser zur Bühne. Auf unsichtbaren Stegen ersteht in „Effraction Nocturne“ ein Dorf. Einen surrealistisch anmutenden Traum kündigt der Festivalchef an. „Ein bisschen Dalí, ein bisschen David Lynch.“ Die Zuschauer sitzen auf einer Tribüne – im Trockenen.

Allerlei Akrobaten: Gleich drei Zirkusgruppen ganz verschiedener Art wirbeln über die Bühnen des Heerlener Theaters. Der kanadische Cirque Éloize bietet in „Hotel“ eine Mischung aus Cabaret comique, Musik und Akrobatik mit Hula-Hoop-Reifen, Seilen und Säulen. Das ungarische Team von Recirquel lässt in „My Land“ Erd-Göttin Gaia und sechs Männer auf einem Sandtisch tanzen. Und speziell für Kinder ab fünf Jahren feiert der Spanier Lucas Escobedo in „Yolo“ mit höchst musikalischen Artisten das Lebensmotto „You Only Live Once“ (Man lebt nur einmal).

Lebendige Stadt: Trotz aller Internationalität ist das Festival auch lokal in der ehemaligen Bergbaustadt verankert – etwa mit XXL-Wandgemälden, die bleiben. Viele Projekte spiegeln die Geschichte Heerlens. So ist am 1. September der Buitenring die Bühne: Bei der Eröffnung eines Anschlusses zum Außenring, der umstrittenen vierspurigen Straße um die Städteregion Parkstad Limburg, wird ein Bogen geschlagen, vom Flüsterasphalt bis zu den alten Römern. Die 3500 Karten dafür sind bereits vergriffen. Mit Kulturprogramm und Führungen wird zudem am 31. August der neue Bahnhof im Maankwartier (Mondviertel) eröffnet.

Schöne Aussicht: Dieses Innenstadtviertel hat der Heerlener Künstler Michel Huisman entworfen. „Ein moderner Gaudí“, findet van der Hijden. Sein „Kunstwerk“ soll 2020 fertig sein. Gleichzeitig wird Cultura Nova die 30. Ausgabe feiern. Vielleicht kann der Festivalmacher sein Budget von jetzt 1,7 Millionen Euro dann noch mal steigern. Er kündigt jedenfalls an: „Wir wollen groß auspacken!“ Vielleicht hört er dann wie so oft: „Du bist verrückt!“ Aber er wird wie immer schulterzuckend entgegnen: „Das ist mein Auftrag!“

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