Neuer Dirigent des WDR Sinfonieorchesters: Cristian Macelarus überzeugendes Antrittskonzert

Neuer Dirigent des WDR Sinfonieorchesters : Cristian Macelarus überzeugendes Antrittskonzert

Auf neun erfolgreiche Jahre kann das WDR Sinfonieorchester mit seinem Chefdirigenten Jukka-Pekka Saraste zurückblicken. Vor einer Woche verabschiedete sich der Finne von dem Kölner Orchester und seinem Publikum, jetzt stellte sich sein Nachfolger Cristian Macelaru mit einem triumphal gefeierten Antrittskonzert in der Kölner Philharmonie vor.

Ein in Deutschland noch nicht besonders prominent hervorgetretener Dirigent, der das Kölner Orchester allerdings durch einige Gastkonzerte für sich gewinnen konnte. Deshalb dürfte die Gewöhnung an den anders gearteten neuen Chef nicht schwer fallen.

Denn Welten voneinander trennen die beiden Dirigenten nur auf den ersten Blick. Hier Jukka-Pekka Saraste, der kühle, wortkarge, nur selten lächelnde Finne aus dem hohen Norden und dort Cristian Macelaru, der joviale, freundlich strahlende und kommunikationsfreudige Rumäne, der bisher vor allem auf eine beachtliche Karriere in Amerika zurückblicken kann, wo er bereits mit 19 Jahren in der Carnegie Hall debütierte.

Was beide verbindet, sind ihre Erfahrungen als exzellente Geiger, was ihr Einfühlungsvermögen in die psychische Lage der Orchestermusiker erleichtern dürfte und ihr Bemühen um eine bis ins kleinste Detail ausgefeilte Perfektion der Spielkultur.

Risikofreudige Programme

Das Ringen um klangliche Perfektion hat der 39-jährige Rumäne bei etlichen amerikanischen Spitzenorchestern gelernt, wobei er sich freut, dass in Deutschland bei der Werkauswahl die Publikumswirksamkeit nicht so vordergründig eingefordert wird wie in Amerika, so dass er das Orchester auch mit risikofreudigeren Programmen herausfordern kann. Das Publikum „zu umarmen“ ist für ihn ebenso wichtig wie die Einlösung seiner hochgesteckten künstlerischen Intentionen. Und um die erfüllen zu können, brach er die Zelte in Amerika ab und zog mit seiner Familie nach Bonn.

Neue Formate wird Macelaru vorerst nicht einführen, dafür aber die Möglichkeiten des Orchesters so vielfältig nutzen wie möglich. Mit Werken von Gustav Mahler, Jörg Widmann und Antonín Dvorák stellte er sich in seinem Antrittskonzert drei denkbar unterschiedlichen Komponisten und überzeugte auf voller Länge.

Mit der Vierten Symphonie griff er zur „klassischsten“ Symphonie Gustav Mahlers. Dabei gilt es, den transparenten Klang und den leichtfüßigen Tonfall mit den katastrophischen Ausbrüchen des Werks zu verbinden. Das gelingt Măcelaru, indem er die klassizistischen Passagen mit einer außergewöhnlich feinen Piano-Kultur und vorbildlicher klanglicher Transparenz zum Klingen und die düsteren Einschläge wirkungsvoll zur Geltung bringt.

Und selbst die orchestralen Eruptionen in Jörg Widmanns „Tanz auf dem Vulkan“ überlässt Măcelaru nicht unkontrolliert dem Orchester,  selbst die chaotischsten Tumulte wirken noch klanglich organisiert. Das trifft auch auf das effektvolle „Te Deum“ von Antonín Dvorák zu.

Mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem WDR Rundfunkchor stand dem Dirigenten eine erstklassige Chorgemeinschaft zur Verfügung. Allerdings dominierte bei ihm die Arbeit mit Orchester so stark, dass er recht wenig Rücksicht auf den Chor und die ebenfalls rundum überzeugenden Solisten, die Sopranistin Simona Saturová und den Bariton Michael Nagy, nahm.

Dass ein derart voluminöser Chor vom Orchester übertönt wird, das muss nicht sein. Aber man darf auf die Zukunft des WDR Sinfonieorchesters gespannt sein.

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