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Bergisch Gladbach: Contergan-Hungerstreik: Frist läuft bis 21. November

Bergisch Gladbach : Contergan-Hungerstreik: Frist läuft bis 21. November

Am Sonntagabend noch wurde der Hungerstreik der Contergangeschädigten Millionen Fernsehzuschauern ins Gedächtnis gerufen. Michael Souvignier, Produzent des TV-Zweiteilers „Contergan”, wünschte Stephan Nuding, Sprecher der dreiköpfigen Gruppe, vor laufenden Kameras bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises: „Stephan, halt durch!”

Mehr Öffentlichkeit konnten sich die drei Kämpfer für eine höhere Entschädigung wohl kaum wünschen. Dennoch unterbrachen sie am Dienstag den Hungerstreik. Nuding sprach gegenüber unserer Zeitung von einer „strategischen Frage”.

„Als Zeichen des guten Willens sind wir bereit, den Druck vorläufig herauszunehmen.” Hintergrund dieser Formulierung ist offenbar die bisherige Haltung der Bundesregierung und des Aachener Pharmaunternehmens Grünenthal, dass unter Druck nicht verhandelt werde.

Während ihres Hungerstreiks erhielten die Aktivisten lediglich Besuch von einem Ministerialdirigenten, der sie zum Aufgeben bewegen wollte, sowie eine E-Mail ähnlichen Inhalts von Grünenthal. „Wir setzen voraus, dass es nun Gespräche geben wird”, sagte Nuding.

Dazu wollten sich weder Grünenthal noch die Bundesregierung äußern. Man habe bislang lediglich über Dritte vom vorläufigen Ende des Hungerstreiks gehört, hieß es sowohl vom Pharmaunternehmen als auch vom Bundesfamilienministerium. Solange es keine direkte Information durch die Hungerstreikenden gebe, „kommentieren wir die aktuelle Entwicklung nicht”, sagte Ministeriumssprecher Marc Kinert.

Die ehemals Hungerstreikenden bleiben bei ihren Forderungen: Verdreifachung der Opferrente auf rund 3000 Euro im kommenden Jahr, eine Million Euro von Grünenthal für jeden Geschädigten. „Wir erwarten ja nicht, dass Grünenthal das Geld sofort auf den Tisch legt. Wir reden über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren”, sagte Nuding.

Die von der Firma bereits zugesagten 50 Millionen Euro sollten so schnell wie möglich an die Betroffenen ausgezahlt werden. Dafür muss das Contergan-Stiftungsgesetz geändert werden. Darüber wird zum nächsten Mal am 21. November im Familienausschuss des Bundestages verhandelt.

Das ist die Frist, die die Aktivisten sich und anderen setzen. „Hat es bis dahin keine Kontaktaufnahme mit uns gegeben, und werden unsere Forderungen nicht erfüllt, werden wir an sehr, sehr exponierter Stelle wieder in den Hungerstreik treten”, sagte Nuding. Der erneute Hungerstreik werde zudem „von einprägsamen, gewaltfreien und legalen Aktionen” begleitet.