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Aachen/Hamburg: Contergan-Film beschäftigt weiter die Gerichte

Aachen/Hamburg : Contergan-Film beschäftigt weiter die Gerichte

Auch nach seiner erfolgreichen Ausstrahlung beschäftigt der Fernseh-Zweiteiler „Contergan” weiter die Justiz.

Die Pressekammer des Hamburger Landgerichts verhandelte am Freitag in einem Hauptsacheverfahren wieder über Klagen des Contergan-Herstellers Grünenthal und eines Anwalts gegen den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und die Produktionsfirma Zeitsprung.

Die Kläger sehen durch einzelne Filmszenen Persönlichkeitsrechte verletzt und historische Tatsachen verdreht. Nachdem beide Seiten ihre Rechtspositionen ausgetauscht hatten, kündigte der Vorsitzende Richter eine Entscheidung für den 14. März an. Er deutete an, derzeit noch Bedenken gegen einzelne Passagen des Films zu haben.

Der TV-Film des WDR, der nach einem langen juristischen Tauziehen Anfang November gezeigt wurde, thematisiert den Skandal um das Schlafmittel Contergan, nach dessen Einnahme tausende Frauen Ende der 50er Jahre missgebildete Kinder geboren hatten. In dem Rechtsstreit um den Film des renommierten Regisseurs Adolf Winkelmann („Nordkurve”, „Engelchen flieg”) geht es letztlich um die Abwägung zwischen Kunstfreiheit und dem Schutz von Persönlichkeitsrechten.

Grünenthal und der Anwalt hatten zunächst mit einstweiligen Verfügungen beim Hamburger Landgericht die Ausstrahlung verhindert. Nachdem das Oberlandesgericht die Verfügungen jedoch aufgehoben und das Bundesverfassungsgericht eine Eilentscheidung abgelehnt hatte, wurde der Film Anfang November gezeigt.

„Mir gefallen unsere Entscheidungen immer noch besser als die der anderen”, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht. Ob die Kammer dennoch gegen ihre Überzeugung den Entscheidungen der höheren Instanzen folge, sei offen. „Wie wir das machen, haben wir noch nicht abschließend beraten”, sagte er.

In der Verhandlung, zu der mehrere Dutzend Contergan-Opfer gekommen waren, argumentierten beide Streitparteien für ihre unterschiedlichen Ansichten mit der „Esra”-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Die Karlsruher Richter hatten im Oktober den stark autobiografischen Roman „Esra” von Maxim Biller endgültig verboten. Das Gericht sah durch die Schilderung intimer Details einer Liebesbeziehung in dem Buch Persönlichkeitsrechte der Ex-Freundin des Autors verletzt.