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Effektvolles Programm: Concertgebouw Orkest in Heerlen auf Spitzenniveau

Effektvolles Programm : Concertgebouw Orkest in Heerlen auf Spitzenniveau

Hoher, quasi „königlicher“ Besuch in Heerlen: Das „Koninklijk“ Concertgebouw Orkest, das berühmte Elite-Orchester aus Amsterdam, hielt Hof im Parkstad Limburg Theater. Und zwar mit einem ebenso interessanten wie effektvollen Strawinsky-Programm.

Unter der Leitung des ungarischen Dirigenten Iván Fischer und mit dem Pianisten Emanuel Ax als Solist waren drei Werke aus drei früheren Phasen des russischen Meisters zu hören. Klanglich im großen Saal des nahezu vollbesetzten Heerlener Theaters natürlich nicht ganz so brillant leuchtend wie im legendären Amsterdamer Stammhaus des Orchesters, aber in jeder Hinsicht auf dem gewohnten Spitzen-Niveau der renommierten Gäste.

Bereits mit dem eher schlichten „Concerto in D“ für Streicher gelang es Fischer, ausgefeilte Klangschönheit mit der bei Strawinsky nötigen emotionalen Distanz zu verbinden. Mit Musikern dieser Klasse ließen sich der Ausdrucksgehalt und die Farbwerte der Musik ohnehin äußerst differenziert aussteuern.

Unbekümmerter, aber um drei Klassen virtuoser geht es in dem selten zu hörenden „Capriccio“ für Klavier und Orchester zu. Ein Gelegenheitswerk, das Strawinsky in finanziell schlechten Zeiten für eigene Auftrittsmöglichkeiten komponierte und das von seiner extremen Vitalität und pianistischen Brillanz lebt. Angesichts der etwas matten musikalischen Substanz im Umfeld des circensisch überdrehten Wirbelsturms bedarf es da schon eines Pianisten vom Format des Amerikaners Emanuel Ax, der mit der von ihm erwarteten Überlegenheit selbst die gemeinsten Tücken des kniffligen Werks überlegen und kontrolliert zu meistern vermag. Dadurch konnte auch das Tempo der motorisch geradezu nähmaschinenhaft angetriebenen und abspulenden Musik in jedem noch so unbequemen Takt mit exakter Präzision gehalten werden. Nach der athletischen Meisterleistung überraschte der Pianist mit einem extremen Kontrastprogramm, nämlich mit einem zarten Nocturne von Frédéric Chopin.

Und auf einem Jahrmarkt begab man sich dann nach der Pause vollends mit Strawinskys Ballettmusik zu „Petruschka“, die ein Höchstmaß an stilistischer und klanglicher Flexibilität einfordert und sowohl an den Gesamtklang des Orchesters wie an die solistischen Fähigkeiten der Musiker höchste Ansprüche stellt.

Es verwundert nicht, dass dem an allen Pulten exzellent besetzte Concertgebouw Orkest eine vitale Interpretation von erlesener Brillanz und Farbigkeit gelang.