Coco Chanel: Vom armen Waisenkind zur Mode-Ikone

Coco Chanel: Vom armen Waisenkind zur Mode-Ikone

Aachen. Der Original-Titel „Coco avant Chanel” ist programmatisch: Erzählt wird die Entwicklung von Gabrielle Bonheur Chanel, die 1883-1971 lebte, von ihrer Karriere als „Coco” Chanel.

Das Waisenkind Gabrielle Chanel hat nicht viel mehr als Stolz und Optimismus. Auch wenn sie im Heim nie abgeholt wurde, ging sie doch immer zum Eingang mit zu den Kutschen der anderen Kinder.

Die erwachsene Gabrielle (Audrey Tautou) bleibt eigenwillig, lässt sich nicht gerne aushalten, aber wenn, muss es Champagner sein. Tagsüber arbeitet sie geschickt als Näherin, abends tritt sie in einem Nachtclub auf, wird dort aber rausgeschmissen, weil sie zu frech ist.

Als heimliche Geliebte lebt sie auf dem Schloss von Etienne Balsan (Benoît Poelvoorde), speist aber mit den Dienstboten. Aus Eifersucht auf die „richtigen” Damen sprengt sie ein Picknick Balsans in Männerkleidern und im Herrensattel.

Die eigene Emanzipation wird auch weiterhin mit maskulinen Elementen in ihren selbstentworfenen Kostümen fortschreiten. Coco sucht ihre eigene Position zwischen den Geschlechterrollen, zwischen den Ständen. Für eine unvermögende Frau mit Geschmack und Ansprüchen nicht einfach.

Doch Coco gibt sich nicht zufrieden und gibt nicht auf. Dem nicht ausgewogenen Arrangement mit Etienne Balsan folgt die Liebe zu Boy Chapel (Alessandro Nivola). Der Engländer will für immer mit ihr zusammenbleiben, heiratet aber eine andere. Trotzdem kann erst ein Unglück das Paar auseinanderbringen.

Dem Schmerz der verlorenen Liebe folgt die Sublimierung in Karriere und Erfolg. Schon bei Balsan ließen sich immer mehr reiche Frauen von Coco Hüte nähen; das Kleid einer Freundin macht sie weiter, damit diese sich vernünftig bewegen kann. Ein früher, deutlicher Hinweis auf die späteren Kreationen, die Wert auf Stil und Bewegungsfreiheit der Frauen legten.

Auch ihre eigene Freiheit war Coco wichtig, sie ließ sich nicht kaufen. Selbst als Balsan merkt, wie wichtig sie ihm ist und sie um jeden Preis, auch den der Heirat, halten will. Stattdessen eröffnet sie ein Geschäft als Hutmacherin in Paris.

Die Film-Biografie nach der Buchvorlage „L´irrégulière” von Edmonde Charles-Roux hat gleich zwei Stars: Coco Chanel und Audrey Tautou („Die fabelhafte Welt der Amelie”). Zudem ist alles, dem Stil der Modemacherin entsprechend, sehr erlesen.

Am Drehbuch arbeitete neben Regisseurin Anne Fontaine („Eine saubere Affäre”) neben anderen auch Christopher Hampton („Carrington”) mit. Das wilde Leben der Coco wurde etwas beruhigt, und außerdem verblasst die Berühmtheit Coco Chanel hinter einer tragischen Liebesgeschichte.

Der Film zumindest lässt die Bemühungen um Selbstständigkeit scheitern - mit dem einfachen Gefühl, es sei alles nichts ohne den richtigen Kerl. Bis zu diesem Finale hatte man allerdings den Eindruck, dass Frau Chanel sich nicht daran aufhält.

„Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft” (Frankreich 2009), Regie: Anne Fontaine, mit Audrey Tautou, Benoît Poelvoorde, Alessandro Nivola, 110 Min., FSK: 6 (Aachen: Cineplex)

Mehr von Aachener Zeitung