Aachen: Chorkultur auf einem hohem Niveau

Aachen: Chorkultur auf einem hohem Niveau

30 Jahre Carmina Mundi: Das bedeutet jahrzehntelange Chor- und Gesangskultur auf hohem Niveau in harter, aber motivierender Konkurrenz zur erstklassigen Aachener Chorszene. Dass der Chor so lange einen Spitzenplatz besetzen kann, ist der unermüdlichen und vorbildlichen Arbeit von Harald Nickoll zu verdanken.

Stilsicherheit, Intonationsreinheit und klangliche Ausgewogenheit: Die Tugenden hoher Chorkultur beherrscht Carmina Mundi so souverän, dass Nickoll für sein Festkonzert im vollbesetzten Ballsaal des Alten Kurhauses alle Register des riesigen Repertoires ziehen konnte.

Von Monteverdi bis zu englischen und ungarischen Zeitgenossen stellte er ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm zusammen, das vom schlichten Volkslied bis zur polyphonen Motette und modernen Gesangstechniken die Wandlungsfähigkeit seiner etwa 40 Sängerinnen und Sänger auf den Prüfstand stellte. Dass sich zum letzten Stück, einem dunklen, chromatisch engschrittigen und heikel zu intonierenden „De Profundis“ des ungarischen Zeitgenossen Jozsef Karai, eine Reihe ehemaliger Mitglieder versammelte, vertiefte das Konzert zu einer kleinen Begegnungsfeier.

Man startete mit Bachs doppelchöriger Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“, bei der nicht nur die erfreulich ausgewogene Balance zwischen Frauen- und Männerstimmen auffiel, sondern auch die sichere Entfaltung der komplexen polyphonen Strukturen. Besondere Anforderungen an die Intonationsstabilität stellt der junge Engländer Eric Whitacre mit dem düsteren Chorsatz „Nox aurumque“.

Die großen Bemühungen Nickolls um das Chorwerk Hugo Distlers fanden in einem kurzen „Kinderlied“ für Agnes“ ihren Niederschlag. Kaum länger Hindemiths witziges Chanson „La Biche“, das allererste Werk des Chor-Repertoires. Johannes Brahms war gleich drei Mal vertreten, unter anderem mit dem ebenso schlichten wie entrückt schönen Satz „Erlaube mir fein’s Mädchen“, in dem „Carmina Mundi“ puren Wohlklang mit inniger Empfindung glücklich verbanden.

Ein anrührender Kontrapunkt zu den komplexeren Werken aus neuerer Zeit. So etwa der frischen Hymne Benjamin Brittens „Advance Democracy“ und der kniffligen Meditation über den Tod aus der Feder des norwegischen Meisters Sverre Bergh, „And death shall have no dominion“.

Mit zwei eindrucksvollen Vertonungen des „Ave Maria“ von Anton Bruckner und Sergej Rachmaninow ging das siebensprachige Programm stimmungsvoll zu Ende. Angesichts der polyglotten Werkfolge wäre ein Textblatt hilfreich gewesen.

Begeisterter Beifall des Publikums für einen denkwürdigen Einblick in 30 Jahre Kulturarbeit an vorderster Front.

Mehr von Aachener Zeitung