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Aachen: Chorbiennale: Meisterhaftes „iiiiiiiouuuuu“

Aachen : Chorbiennale: Meisterhaftes „iiiiiiiouuuuu“

Ausgesprochen ernst und streng ging es im 3. Konzert der Aachener Chorbiennale in der stilgerechten und voll besetzten Aula Carolina zu, das wie die bisherigen Konzerte auf begeisternde Zustimmung traf. Das ist mehr als erfreulich, schlägt sich darin doch auch die Anerkennung für die hohe qualitative Messlatte nieder, die die Aachener Initiativchöre anlegen.

Eine Messlatte, die von den internationalen Gastensembles ausnahmslos erreicht wird, wobei die Chöre aus aller Herren Länder durch ihr individuelles, oft national gefärbtes Charisma noch für zusätzliche Reize sorgen.

Die stilistischen Unterschiede zwischen dem Madrigalchor Aachen und dem nicht allzu weit entfernt heimischen Vocaal Ensemble Musa Horti aus dem belgischen Leuven hielten sich freilich in Grenzen, auch wenn sich die belgischen Gäste ausnahmslos Chorliteratur des mittleren bis späten 20. Jahrhunderts widmeten, während die Aachener Madrigalisten tief in die Renaissance und das Frühbarock zurückgriffen.

Transparent gestaltet

Zwei Psalmen von Jan Pieterszoon Sweelinck sowie eine Motette des noch älteren Josquin des Prez erfuhren unter der Leitung von Hans Leenders eine leuchtkräftige, trotz des dichten polyphonen Geflechts fast schwerelos leichte und transparente Gestaltung. Den größten Teil des Aachener Beitrags nahmen die „Cantique de Pascal“ des niederländischen Zeitgenossen Daan Manneke ein, Gesänge auf Textbrocken des Philosophen Blaise Pascal, die dem Chor ein Höchstmaß an stilistischer Flexibilität und Versiertheit abverlangen, was den Chor in keinem Takt in Verlegenheit brachte.

Mit der zwischen Trauer und Auflehnung schwankenden Vertonung der Trauerode „Wie liegt die Stadt so wüst“ durch den langjährigen Leiter des Dresdner Kreuzchores, Rudolf Mauersberger, geschrieben 1945 im Angesicht des zerstörten Dresden, schlug der belgische Gastchor zunächst nachdenklich stimmende Töne an. Bereits dieser Auftakt unter der Leitung von Peter Dejans überzeugte als Beweis makelloser Chorkultur. Geradezu duftig gelangen anschließend die „Chansons des roses“ von Rilke, die der Amerikaner Morten Lauridsen 1993 mit delikater Sensibilität in Töne setzte.

Der Auftritt der „Musa Horti“ gipfelte in einer raffinierten Vokalise des Brüsseler Komponisten Jean-Marie Rens aus dem Jahre 2000, „iiiiiiiouuuuu“. Was auf dem Papier geradezu dadaistisch anmutet, entpuppt sich in der Realisierung als ein getragenes, sich auf langgezogene Vokale stützendes Klanggemälde von geradezu mystischer Eindringlichkeit. Eine Aufgabe, die der Leuvener Chor mit vorbildlicher Delikatesse löste. Begeisterter Beifall.