Aachen: Chorbiennale: Krönender Abschluss der Konzertsaison

Aachen: Chorbiennale: Krönender Abschluss der Konzertsaison

Einen glänzenden Abschluss fand die städtische Konzertsaison mit zwei aufwendigen Meisterwerken von Francis Poulenc und Maurice Ravel, denen nicht nur die Brillanz des Aachener Sinfonieorchesters ein besonderes Profil verlieh, sondern auch als Beitrag zur Chorbiennale die Mitwirkung von gleich sechs Spitzenchören aus nah und fern.

Auf der Bühne wurde es damit noch enger als im Zuschauerparkett des voll besetzten Eurogress. Neben den vier Aachener Initiativchören der Biennale, dem Aachener Kammerchor (Martin te Laak), Carmina Mundi (Harald Nickoll), dem Jungen Chor Aachen (Fritz ter Wey) und dem Aachener Madrigalchor (Hans Leenders) verhalfen als weitgereiste Gäste der Frauenchor des Gier-Instituts für Musik aus Kiew (Galina Gorbatenko) sowie aus den USA The Salt Lake Vocal Artists (Brady Alfred) Francis Poulencs „Gloria“ und Maurice Ravels „Daphnis et Chloé“ zu einem mächtigen vokalen Rückgrat.

Die Chöre harmonierten prächtig, auch wenn die bombastische Größe des Gesamtchors Poulencs „Gloria“ einen recht massiven und weichen Anstrich gab, der der streckenweise lakonisch distanzierten Perspektive, die Poulenc zu dem Jubeltext einnimmt, eher widerspricht.

Rundum überzeugend

Eine Prise Trockenheit im Stil Strawinskys hätte nicht geschadet. Dennoch gelang Kazem Abdullah eine hörenswerte Interpretation, zumal mit dem jungen Aachener Ensemblemitglied Camille Schnoor eine vortreffliche Anwältin für die heikle Sopran-Partie gewonnen wurde, die allerdings unglücklicherweise weit hinter das Orchester postiert wurde und so kräftig singen musste, dass von der ätherischen Schwerelosigkeit ihres Parts nichts mehr zu spüren war.

Die komplette, fast einstündige Ballettmusik zu Ravels Wunderpartitur „Daphnis et Chloé“ ist selten im Konzertsaal anzutreffen. Umso erfreulicher, dass dem Orchester eine rundum überzeugende Gestaltung gelang. Abdullah breitete die Farbenpracht der Musik nuanciert aus, auch wenn die Balance zwischen dominierenden Bläsern und weich gebetteten Streichern nicht immer stimmte. Dafür blieben vor allem die Holzbläser ihren schwierigen Parts nichts schuldig und ernteten reichlich Sonderapplaus.

Vom Glanz des berühmten Sonnenaufgangs war ebenso viel zu hören wie vom bacchantisch überdrehten Finale. Die eingestreuten, geheimnisvoll wirkenden Vokalisen entfalteten durch die massive Chorvereinigung ein eindrucksvolles Kolorit. Blitzsauber bewältigten die Choristen ihre nicht sehr umfangreiche, aber schwierige Aufgabe. Stürmischer Beifall für eine imponierende Gesamtleistung und einen krönenden Abschluss einer insgesamt positiv verlaufenen Konzertsaison.

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