Aachen: Chorbiennale: Ein Vorgeschmack vom Feinsten

Aachen: Chorbiennale: Ein Vorgeschmack vom Feinsten

Richtig los geht es zwar erst Dienstagabend mit dem Eröffnungskonzert in Burtscheid, aber einen Vorgeschmack auf Chorkultur vom Feinsten bot als Vorspann zur diesjährigen Chorbiennale in Aachen bereits der WDR Rundfunkchor in der voll besetzten Jakobs-Kirche mit einem bunten, geradezu buntscheckig zusammengestellten Programm.

Zu diesem Eindruck trug wesentlich der Gast-Star, die lange Jahre an vorderster Front der internationalen Opernszene erfolgreich wirkende Sopranistin Barbara Hendricks, bei. Während sich die Kölner Chor-Profis auf Gesänge aus skandinavischen Breiten konzentrierten, steuerte die Amerikanerin barocke Gesänge von Purcell, zarte romantische Ohrwürmer wie Francks „Panis Angelicus“ und sogar Gounods „Ave Maria“ sowie einige Spirituals und Gospels bei, teils solistisch mit Orgelbegleitung, teils gemeinsam mit dem Rundfunkchor.

Leicht angerautes Timbre

Im Gospelblock konnte die verdiente Sängerin immer noch überzeugen. Mit ihrem Feeling und mit ihrem leicht angerauten Timbre gelangen ihr emotional intensive Interpretationen. Besonders eindringlich wirkte ihr Sologesang, von einer zurückhaltenden E-Gitarre begleitet, in einem frei gestalteten Medley amerikanischer Freiheits-Songs.

Dass die Stimme mittlerweile bedenklich vibriert, dass es mit der Intonation und der Treffsicherheit höherer Töne und mit der Geschmeidigkeit für die Koloraturen nicht mehr zum Besten steht, wirkte sich hier wesentlich weniger störend aus als in den klassischen Beiträgen.

Gleichwohl: Mit den geistlichen Songs konnte sie den Abstand zur Gesangskultur des WDR-Chors verkürzen. Die Kölner Sänger begeisterten zuvor mit einer Auswahl unterschiedlicher Gesänge finnischer und vor allem schwedischer Komponisten. Das Angebot erstklassiger Chorliteratur aus Skandinavien ist riesig und stilistisch vielfältig. Vom schlichten schwedischen Volkslied bis zur dramatisch angehauchten Szene war (fast) alles vertreten.

Homogen in allen Stimmlagen, intonationssicher, perfekt in Phrasierung und Artikulation: Der Chor zeigte sich von seiner besten Seite. Insbesondere, wenn zarte Gesänge wie „Bei Sonnenaufgang“ des Finnen Toivo Kuula oder „Nach Österland“ und „Der Maiglöckchenkönig“ der Schweden Håkan Parkman und David Wikander anstanden. Begeisterter Beifall für einen glänzenden Festival-Auftakt.

Dienstagabend erwarten der Aachener Kammerchor Carmina Mundi und der Frauenchor des Gier-Instituts für Musik aus Kiew die Freunde erlesener Chormusik. Beginn: 20 Uhr in St. Michael Burtscheid.

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