Aachen: Chorbiennale: Auftaktkonzerte begeistert gefeiert

Aachen: Chorbiennale: Auftaktkonzerte begeistert gefeiert

Vollbesetzte Zuhörerreihen, anspruchsvolle Kompositionen, dargeboten auf durchweg hohem Niveau, und begeisterter Applaus: Die Mitwirkenden der zweiten Aachener Chorbiennale zogen schon am ersten Wochenende alle Register.

Bis zum 3. Juli ist unter dem Motto „Very British” ein attraktives und vielseitiges Programm auf die Beine gestellt worden, in Zeiten knapper Kassen keine Selbstverständlichkeit.

Beim Eröffnungskonzert in der Kirche St. Adalbert wurde das Publikum mit einer originellen Komposition von Murray Schafer auf Texte, die er mit Kindern erarbeitet hat und in der wirkungsvoll moderne Klangwirkungen vermischt, begrüßt. Im Kirchenraum verteilten sich dazu die vier Initiativchöre der Biennale, der Kammerchor, Carmina Mundi, der Junge Chor und der Madrigalchor. Trotz des Mottos gaben dann zunächst norwegische Klänge den Ton an. Zu Gast war die Grex Vocalis aus Oslo, die zu den Spitzenchören Skandinaviens gehört. Mit einem auf Klangschönheit ausgerichteten Programm wurde sie ihrem Ruf gerecht.

Gesänge von Edvard Grieg und den drei Zeitgenossen Sverre Bergh, Arne Nordheim und Knut Nystedt präsentierte der Chor in klanglicher Ausgewogenheit, mit Intonationsreinheit und bestrickender Sensibilität. Nach dieser Oase der Kontemplation brachte der Junge Chor Aachen mit seinem Leiter Fritz der Wey kräftigere Töne ins Spiel. Der startete mit Benjamin Brittens „Hymn to St. Cecilia” gleich mit einem der bekanntesten britischen Chorwerke.

Auch hier konnte man sich an edlen Tugenden guter Chorarbeit erfreuen, wobei der quantitativ schwächer besetzte Männerblock nicht immer eine ausreichende Ausgewogenheit garantierte. Gegenüber diesen anspruchsvollen a-cappella-Gesängen setzt John Rutten in seinem „Gloria” zusätzlich ein großes Blechbläserensemble samt Schlagzeug und Orgel ein. Eine effektvolle Repräsentationsmusik in einer instrumentalen Kulisse, die sich für einen Kammerchor als etwas zu stark erwies. Eine zartere Begleitung durch eine einsame Solo-Violine sorgt in Knut Nystedts „Ave Maria” für eine raffinierte Mischung aus verhaltenem Gesang und instrumentaler Virtuosität. Leider zeigte sich die Solistin Odile Meyer-Siat angesichts der beachtlichen spieltechnischen Anforderungen deutlich überfordert.

Zwei Chöre unterschiedlichen Charakters und unterschiedlicher Zielsetzung waren am Abend darauf in der Kirche St. Paul zu erleben. Hans Leenders, der Leiter des Madrigalchors, der mit dem fünfköpfigen Instrumentalensemble Agimont aus Maastricht Chorsätze von Henry Purcell vortrug, setzt auf makellose Klangschönheit, weniger auf zupackende, fesselnde Espressivität. Die bot das Collegium Vocale zu Franziskanern Luzern, ungemein suggestiv geführt von Ulrike Grosch, umso mehr. Kodaly, Vaughan Williams, Purcell und als Krönung des Abends Benjamin Brittens Zyklus „Sacred and Profane, Eight Medieval Lyrics op. 91” erklangen in einer Intensität, Klangpracht und intonationstechnischer Souveränität, die das Publikum am Ende zu Standing Ovations hinriss.

Vor allem der aus dem Todesjahr Brittens stammende Zyklus, dessen freitonale Linien höchste Ansprüche an das Können eines a-cappella-Ensembles stellen, wurde in einer Ausdrucksfülle und gestalterischer Differenzierung Ereignis, das dem Hörer noch lange nachhallte. Ohne zwei Zugaben ging es denn auch nicht ab. Am Ende vereinigten sich beide Chore zu einem klangprächtigen Finale.

Begeisterter Beifall für alle Mitwirkenden zum Auftakt eines großen Chorereignisses.

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