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Würselen: Chick Corea enttäuscht auf Wilhelmstein

Würselen : Chick Corea enttäuscht auf Wilhelmstein

Mit Applaus nicht zu geizen, wurde vor dem Konzert gebeten, weil man das nämlich aufnehmen wolle. Das Publikum gab reichlich, und viel mehr wird man von dieser Aufnahme auch kaum verwerten können.

Einige der aufregendsten musikalischen Momente des Jahres hat man vom Auftritt Chick Coreas und seinen Mitspielern am Donnerstagabend auf Burg Wilhelmstein erwarten dürfen.

Ein Großmeister (nicht nur) des Jazzpiano und die wichtigsten Begleiter des Flamenco-Stars Paco de Lucia - eine Traumbesetzung. Und eben deshalb eine schwer zu verstehende Enttäuschung.

Zwei Stunden technisch einwandfreier Musik. Doch für die einzig berührenden Momente sorgten wiederum die rund 800 Zuhörer als sie, von Corea in fünf Tongruppen eingeteilt, in der wunderbaren Akustik des Burgforums den langsamen Satz aus dem Concierto de Aranjuez von Rodrigo mitsummten. Das ist allerdings mit das abgelutschteste Stück spanischer Musik, mit dem man auf Publikumsfang geht.

Im Übrigen hatte man an keiner Stelle das Gefühl, dass der gut gelaunte und zu Scherzen aufgelegte Chick Corea wirklich Lust hatte, sein eigenes Spiel zu Höhepunkten zu treiben. Und die unentwegt auf ihn fixierte Band fand nie zu einem dichten Zusammenklang.

Schlagzeuger Tom Brechtlein, Perkussionist Rubem Dantas und Jorge Pardo an Flöte und Sopransaxophon blieben merkwürdig blass. Allein der überragende Carles Benavent lohnte alle Aufmerksamkeit für seine rhythmische Raffinesse und sein gitarrenartiges Akkordspiel am Elektrobass.

Fast zur Persiflage geriet ein Tango, als Corea, wohl als Akkordeonersatz, das Kinderinstrument Melodica einsetzte und schier gar nicht damit enden wollte.

Das tat zum Glück Gayle Moran, Ehefrau und langjährige musikalische Partnerin Coreas, als sie beim zweiten Versuch, ein Stück gesanglich zu begleiten, wohl selber merkte, dass sie ihre besten Töne wohl schon länger hinter sich hatte - um es noch höflich zu sagen.

Zurück bleibt der traurige Eindruck, dass Chick Corea (62) selber nicht spürt, dass er von seinen besten Zeit im Moment weit weg ist. Bei dem brausenden Schlussapplaus musste er das in Würselen auch nicht merken.