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Aachen: Cello-Stars sind begeistert

Aachen : Cello-Stars sind begeistert

Genau betrachtet ist es eine Uraufführung, was in der Jesuitenkirche St. Alfons (Aachen, Lothringerstraße) am Sonntag, 16. Februar, 19 Uhr, stattfindet.

Johann Sebastian Bachs sechs Suiten für Violoncello solo, fertiggestellt um 1720, hat Hans-Christian Schweiker, Aachener Cellist und Professor an der Musikhochschule, in mühsamer musikalischer Detektivarbeit von den Schlacken der Zeit befreit. „Es gibt allein vier Abschriften vom Original sowie zahlreiche Fassungen”, erzählt er.

Immer wieder war Schweiker unzufrieden, spürte, wo zum Beispiel die Barockcellisten „ihren Bach” verändert und der Mode angepasst hatten.

„In einer Bierlaune kam die Idee, das zu ändern, sich dem wirklichen Bach-Werk zu nähern”, erzählt Schweiker, der in Pater Benedikt Lautenbacher, Rektor der neu gestalteten Jesuitenkirche, einen Kooperationspartner fand.

Er wird während des Konzertes Teile aus dem Gilgamesch-Epos lesen, dem ältesten Dokument menschlicher Leiden und Leidenschaften. „Die Werke brauchen einen klaren puren Raum, den sie hier erhalten”, so der Cellist, der mit seinen Studenten die Solosuiten in dieser Form erstmals in Aachen erklingen lässt.

Der Weg durch die Quellen war kompliziert. Hier galt es, Widersprüchen und Verzierungen zu begegnen, die Bach-Kenntnisse so umzusetzen, als ob man mit dem Kopf des Komponisten denkt.

Die erste Abschrift hat bereits Bach-Ehefrau Anna Magdalena im Jahre 1730 vorgenommen. War sie nachlässig? Haben sich hier schon Fehler und Ungenauigkeiten eingeschlichen?

Die nächste Abschrift stammt von einem Organisten und Pianisten der Zeit, zwei weitere entstanden Ende des 18. Jahrhunderts.

Artikulation und Stimmführung wurden für den Cellisten zum Leitfaden durch das Dickicht. Fest stand relativ rasch, dass die Werke, die vielfach beim Zuhörer eher Langeweile auslösten, von Bach nicht einstimmig und damit monoton, sondern dreistimmig und sehr filigran konzipiert sind.

Schweiker tastete sich in vielen Jahren durch die Partituren, befreite sie von Elementen, die nach seiner Erfahrung nicht „typisch Bach” waren. „Der Facettenreichtum der Werke kam immer deutlicher zum Vorschein, der klangliche Nebel verschwand.”

Musikwissenschaftler und Studierende erprobten das Ergebnis - mit Erfolg. Im Berliner Musikverlag Ries & Erler kam nun die Neufassung Schweikers heraus. Cello-Stars wie Mischa Maisky und Boris Pergamentschikov griffen bereits freudig danach.

„Meine Studenten hatten Erfolg bei Wettbewerben”, freut sich Schweiker. „Es fiel auf, dass diese Suiten anders, frischer, lebendiger klangen.” Und die „Kraft der Klarheit” ist auch Prinzip bei der Sanierung der Kirche St. Alfons, für die man nach dem Konzert (Eintritt frei) Spenden sammeln wird.