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Aachen: Cavallis „Missa pro defunctis“ in der Aachener Annakirche

Aachen : Cavallis „Missa pro defunctis“ in der Aachener Annakirche

Es ist ein großes Verdienst von Anna-Kantor Georg Hage, dass er sein Publikum immer wieder mit Werken bekannt macht, die außerhalb des gängigen Repertoires liegen. So war es auch jetzt mit dem Kammerchor des Bachvereins mit Francesco Cavallis „Missa pro defunctis“ in der vollbesetzten Annakirche.

Dieses frühbarocke Requiem wurde eingerahmt von Johann Sebastian Bachs doppelchöriger Motette „Komm Jesu, komm“ und dem Schlusschoral „Es ist genug“ aus Bachs Kantate „O Ewigkeit, du Donnerwort“.

Hage konfrontierte die beiden Bach-Werke mit Vertonungen der gleichen Texte durch den schwedischen Komponisten Sven-David Sandström, insgesamt eine höchst stringente und spannende Programmgestaltung. Das Werk ist eine Abfolge von meist kurzen Chorsätzen, in denen sich immer wieder solistisch besetzte Ensembles aus dem Gesamtverbund herauslösen. Eine Begegnung mit einem höchst interessanten und hörenswerten Werk, das im Kammerchor des Bachvereins einen äußerst versierten, die Achtstimmigkeit problemlos und klangschön meisternden Vokalapparat fand.

Hage hatte sich bei der Instrumentalbesetzung auf eine Continuo-Besetzung mit Violoncello, Violone, Laute und Orgel beschränkt. Das war legitim und stilistisch korrekt, obwohl eine vom Komponisten gewünschte größere instrumentale Besetzung dem Ganzen sicherlich noch mehr Farbe verliehen hätte. Die vier Musiker des Ensembles für Alte Musik „Arcipelago“ machten ihre Sache jedenfalls ausgezeichnet. Hages Interpretation der Motette „Komm Jesu, komm“, eine der großen sechs überlieferten Motetten Bachs, war geprägt von schlanker, biegsamer Tongebung, sorgfältiger Phrasierung und einem frischen, bis zum Schlusschoral durchgehaltenen Tempo.

Seine imponierende Leistungsfähigkeit und musikalische Intelligenz bewies der Chor bei der Wiedergabe der beiden Motetten von Sandström, die in ihrem Wechsel von Linearität, Klangverdichtung bis zu Clusterbildungen von größter Expressivität einem Chor ein Höchstmaß an Klangvolumen und Intonationssicherheit abverlangen. Bewundernswert, mit welcher Souveränität Chor und Dirigent diese Herausforderungen meisterten. Entsprechend begeistert fiel dann auch der Schlussbeifall aus.