Begeisterungsstürme für eindrucksvollen Kraftakt: Cappella Aquensis und Ars Cantandi stemmen Händels Oratorium „Der Messias“

Begeisterungsstürme für eindrucksvollen Kraftakt : Cappella Aquensis und Ars Cantandi stemmen Händels Oratorium „Der Messias“

Die bewährte Zusammenarbeit der Cappella Aquensis mit dem Chor der städtischen Musikschule Ars Cantandi wurde jetzt in Aachen in der voll besetzten Kirche St. Michael mit einer eindrucksvollen Aufführung von Georg Friedrich Händels bekanntestem Oratorium „Der Messias“ fortgesetzt.

Ulrich Brassel, der neue Leiter der Cappella Aquensis, hatte damit sein erstes abendfüllendes Projekt mit dem lange Jahre von Thomas Beaujean betreuten Chor zu stemmen.

Einen besonderen Anstrich erhielt die Aufführung durch die Wahl der von Mozart bearbeiteten Fassung des Werks. Mit der Verwendung von Klarinetten und Posaunen und einem verfeinerten Einsatz der Holzbläser erhält das Klangbild weichere Züge, die allerdings in den Wiener Palais zu Mozarts Zeiten deutlicher zum Tragen gekommen sein dürften als in einem nachhallstarken Kirchenraum. Etliche Details verschwammen in St. Michael ungehört.

Hermann Godland, der langjährige Spiritus Rector der Ars Cantandi, leitete die erste Hälfte der über zweieinhalbstündigen Aufführung und folgte den langsameren Tempovorgaben Mozarts. Das kam dem Klangbild der groß besetzten Chöre entgegen und erleichterte manche koloraturgespickte Passage, konnte allerdings auch nicht über das unüberhörbare Missverhältnis zwischen stark vertretenen Frauen- und unterrepräsentierten Männerstimmen hinweghelfen. Und dass die gemächlichen Tempi bei Godland mit einer rhythmisch nicht immer prägnanten und eher butterweichen Phrasierung einhergingen, führte bisweilen zu leichten Ermüdungserscheinungen.

Die gute Vorbereitung der Chöre ermunterte Ulrich Brassel in der zweiten Hälfte zu strafferen Tempi, die allerdings in den komplexen Fugen und rasanten Läufen zu deutlichen Ungenauigkeiten führten, was auch das Zusammenspiel mit den wie gewohnt zuverlässig aufspielenden Musikern des Aachener Sinfonieorchesters erschwerte.

Die Solo-Partien waren mit prominenten Kräften besetzt. Das unverwechselbar helle Timbre der Sopranistin Netta Or kontrastiert reizvoll zu der sehr dunkel gefärbten Alt-Stimme von Marion Eckstein, die die größte solistische Last zu tragen hatte. Die bewältigte sie mit gewohnt eindrucksvoller Gestaltungskraft und einer vor allem in den tieferen Regionen warmen Stimme, die sich in der Höhe allerdings etwas verhärtete. Tribut des weiten Tonumfangs der Partie. Der Tenor von Markus Schäfer, einem der bewährtesten Vertreter seines Fachs, wirkte erstaunlich angestrengt und unruhig, während Raimund Nolte die Bass-Arien ebenso kraftvoll wie kultiviert präsentierte.

Eine Aufführung auf hohem, wenn auch nicht einheitlichem Niveau. Das Publikum reagierte mit Begeisterungsstürmen auf den eindrucksvollen Kraftakt.

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