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Berlin/Düsseldorf: Campino als Fotograf in der Krise: Wim Wenders Film „Palermo Shooting”

Berlin/Düsseldorf : Campino als Fotograf in der Krise: Wim Wenders Film „Palermo Shooting”

Mit der Besetzung der Hauptrolle durch Campino, den Sänger der Düsseldorfer Band Die Toten Hosen, ist Wim Wenders mal wieder ein medienwirksamer Clou gelungen. Campino gibt einen erfolgreichen Fotografen, der in eine Sinnkrise gerät und in Italien untertaucht, um Ruhe zu finden.

Um sein ambitioniertes Sinnsucherdrama hat der 63-jährige Regisseur ein prominentes Ensemble internationaler Stars versammelt, das von Milla Jovovich bis zu Dennis Hopper reicht.

Der erfolgsverwöhnte Düsseldorfer Fotograf Finn (Campino), dessen Figur an den bekannten Fotografen Andreas Gursky angelehnt ist, arbeitet als Professor an der Kunstakademie. Viel mehr Geld verdient er aber als Modefotograf, der die Schönen der Welt vor die Linse bekommt.

In seinen ruhelosen Nächten steht sein Mobiltelefon nie still, die Musik im Kopfhörer ist sein wichtigster Begleiter. Als er einen Beinahe-Zusammenstoß mit einem Geisterfahrer knapp überlebt und bei einem Foto-Shooting mit einem hochschwangeren Model (Milla Jovovich) in Italien ins Stocken gerät, lässt Finn alles hinter sich.

Ziellos lässt er sich durch Palermo treiben. Dort trachtet ihm ein rätselhafter Kapuzenmann mit Pfeil und Bogen nach dem Leben, während er vergeblich versucht, den schemenhaften Widersacher zu fotografieren.

In den verfallenden Gassen der Altstadt begegnet der desorientierte Fotograf auch einer ebenso hübschen wie energischen Restauratorin (Giovanna Mezzogiorno), die seit Jahren daran arbeitet, ein wertvolles Renaissancebild zu restaurieren. Ihr gelingt es, dem aus der Bahn geworfenen Finn neuen Lebensmut zu geben.

Mit „Palermo Shooting” dreht Wim Wenders zum ersten Mal einen langen Film in seiner Heimatstadt Düsseldorf. Es ist zugleich der erste Spielfilm, den Wenders nach etlichen Einsätzen auf anderen Kontinenten wieder in Deutschland dreht - mit Ausnahme der BAP-Doku „Viel passiert” (2002). So ist es wohl kein Zufall, dass Wenders die Hauptrolle mit Campino einem anderen Düsseldorfer anvertraut - ihm nach eigener Aussage sogar „auf den Leib geschrieben” hat.

Campino war zwar in kleineren Film- und Fernsehrollen schon häufiger zu sehen, gibt aber als Fotograf Finn nun sein Kinodebüt als Hauptdarsteller. Die beiden Düsseldorfer sind seit langem befreundet und arbeiteten 1999 erstmals bei dem Musikvideo „Warum werde ich nicht satt” zusammen. Besonderes Schauspieltalent kann man Campino nicht bescheinigen, aber im Fotografen-Job ist er tragbar.

Unter Wenders Regie kann die weibliche Hauptdarstellerin Giovanna Mezzogiorno als attraktive Trösterin ihr Können eindrucksvoller auf die Leinwand bringen als zuletzt in dem aufwändigen Kinoepos „Die Liebe in den Zeiten der Cholera”. Die Chemie zwischen ihr und Campino stimmt. Und Dennis Hopper spielt als Gevatter Tod wunderbar mysteriös.

Vor allem im ersten Drittel des Films kann Kameramann Franz Lustig („Dont Come Knocking”) sich an den schicken Oberflächen von Finns Designerhaus und bei den nächtlichen Touren des Fotografen austoben.

Gediegener, aber auch symbolschwerer geht es visuell in Palermo zu, wo die Schlusssequenz in einer labyrinthischen Bibliothek surrealen Charakter gewinnt. Wenders umkreist das zentrale Thema, die Überwindung der Angst vor dem Tod, durchaus einfallsreich, weicht aber zu oft ins Pseudophilosophische aus.

Die große Schwäche des Films sind die Dialoge, die insbesondere in der Schlusspassage, als Finn mit dem Tod über Gott und die Welt schwadroniert, recht pathetisch wirken. Seine große Stärke besteht in der abwechslungsreichen Musikauswahl, die die Atmosphäre vieler Szenen verstärkt. Würde sich Wenders forcierter Kunstwillen weniger in den Vordergrund drängen, wären sicher mehr Zuschauer bereit, dem filmischen Selbstfindungstrip auch emotional zu folgen.