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Aachen: Busch & Bukowski: Lutz Görner mit neuem Programm

Aachen : Busch & Bukowski: Lutz Görner mit neuem Programm

Sie haben erstaunlich viele Gemeinsamkeiten - nicht nur das „B” beim Namensanfang, die Tatsache dass sie bitterarm waren, dennoch als Millionäre starben und über 70 Jahre alt wurden.

„Wilhelm Busch trifft Charles Bukowski” lautet am Donnerstag, 16. Oktober, 19.30 Uhr, das Motto eines Abends, bei dem Rezitator Lutz Görner für ein Zusammentreffen der besonderen Art sorgt - schließlich trennen die beiden literarischen „Gäste” rund 100 Jahre.

Die Lebenswege von Wilhelm Busch, geboren 1832 in Wiedensahl, und Charles Bukowski, der amerikanische Dichter polbisch-deutscher Abstammung, der 1920 in Andernach zur Welt kam und 1994 in Los Angeles starb, zeigen tatsächlich Parallelen, die Lutz Görner zu einem ungewöhnlichen Programm inspiriert haben.

Der Rezitator, der mit seiner Edition „Lyrik für alle” sowie mit seinen TV-Auftritten Gedichte und Dichter aller Epochen aufleben ließ und damit ein breites Publikum erreichte, unternimmt eine spannende Gratwanderung. „Beide sind sie in die falschen Familien hineingeboren worden”, so Görner, der die verbindenden Elemente aufarbeitet, Busch und Bukowski jedoch nicht vermischt.

In den jeweils „falschen Familien” - das steht fest - wurden die dichtenden Söhne Wilhelm und Charles als frech, impertinent und unangepasst abgelehnt. „Es war kein Wunder, dass Busch kein Selbstbewusstsein entwickelte, man gab ihn mit neun Jahren zum Onkel, einem Pfarrer, und erst drei Jahre später sah er seine Eltern wieder”, erzählt Görner.

Auf den Gemälden Buschs sind Vater und Mutter kaum zu entdecken. „Kein Wunder dass er zum Alkohol griff”, meint der Rezitator. „Wenn er Alkohol getrunken hatte, wurde er streitsüchtig und brutal, eine unangenehme Person.” Mit „Max und Moritz” schaffte Busch den Durchbruch - da war er schon 27 Jahre alt.

Not hat auch Bukowski erlebt. „Er war in Los Angeles so arm, dass ihm seine Wirtsleute eine Jacke kauften und ihm das Geld für die Heimfahrt liehen, als er sehr krank war”, weiß Görner.

Trunkenheit, Gefängnis, Drogenkonsum, Psychiatrie - Begriffe, die dieses Leben zunächst prägten. „Und trotzdem hat er zäh an dem Ziel festgehalten, ein Schriftsteller zu werden. Als Bukowski 1955 bei einer Magenblutung beinahe das Leben verloren hätte, kam der Umschwung.

Er wurde Postbote und Briefsortierer beim U. S. Postal Service. „Er wußte, dass er Geld verdienen musste, wenn es weitergehen sollte”, betont Görner. Seine Erlebnisse bei diesem stumpfsinnigen Job flossen in den Roman „Post Office” ein - Bukowskis erster Erfolg.

In „Max und Moritz” hielt Busch die schlimmen Erziehungsmethoden seiner Zeit fest, prangerte die landläufige Frömmelei bei der „Frommen Helene” an und ließ immer wieder in nur auf den ersten Blick heiteren Texten die Doppelmoral der Menschen, die eigene Melancholie, Sehnsüchte und bittere Satire einfließen.

Und auch Bukowski, der sorgfältig seinen geschäftsfördernden Ruf pflegte, ein literarischer „Schmutzfink” zu sein, schrieb leidenschaftlich gegen politische und gesellschaftliche Untugenden an. Görners Resümee: „Sie haben die Welt ganz ähnlich beschrieben, hatten beide Probleme mit Frauen und waren so scheu wie Waldelefanten...”