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Würselen: Burg Wilhelmstein: „Vernetzung“ auf höchstem Niveau

Würselen : Burg Wilhelmstein: „Vernetzung“ auf höchstem Niveau

Zwei Könner ihres Genres zusammen auf der Open-Air-Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg. Ein seltenes Ereignis und eine neuer Beweis dafür, wie ernst man es dort mit dem Anspruch nimmt, Persönlichkeiten der Weltmusik ein Podium zu bieten.

In diesem Fall dem amerikanischen Blues-Musiker Eric Bibb, der in Schweden lebt und mit den Großen seiner Zunft arbeitet, sowie Habib Koité, einer der wichtigsten Musiker Westafrikas. „Brothers in Bamako” lautet der Titel der Tour, mit dem sie an ihre Zusammenarbeit in der Hauptstadt Malis erinnern, wo Koité lebt — weltoffen und zugleich den Traditionen seines Volkes verbunden.

Bibb und Koité gemeinsam auf der Bühne, dezent unterstützt von Percussionist Mama Koné: Das ist musikalische Vernetzung auf höchstem Niveau, ein klingender, nicht endender Dialog, bei dem rasch spürbar und hörbar wird, wie sehr sich die beiden mögen und respektieren. Mal geht Eric Bibb mit schnörkellosem Blues nach vorn, ausdrucksstark, dunkel, tief verwurzelt auch in Folk und Soul. Dann wieder stimmt Habib Koité eine melodische Ballade an, die an ein Kinderlied erinnert.

Die Töne rieseln wie Sonne durch ein Blätterdach, es ist wie ein musikalisches Lächeln. Gern singt er versunken, fast beschwörend in der hohen Stimmlage eines Griots, eines mystischen Geschichtenerzählers Westafrikas, in Dogon oder Bambara, Sprachen seines Landes, denn dieses Klanggut ist sein Erbe, zu dem er steht.

Bibb und Koité hören einander intensiv und bewundernd zu, steigern sich in den gemein gespielten Stücken zu Höchstleistungen. Akustik- und E-Gitarre kommen einander näher, die Künstler wecken im anderen den Ehrgeiz, noch filigraner, noch variationsreicher zu spielen.

Das Publikum in der Arena weiß das zu schätzen und applaudiert begeistert. Eric Bibb pflegt seine klare Linie mit einer stolzen Souveränität; Habib Koités liebevoller Umgang mit einem Musikstil, in dem sich westafrikanische Tradition mit modernen Musikentwicklungen verbindet, ist überaus sympathisch. Das ist handgemachte Musik, die unter die Haut geht, weil sie authentisch ist, weil sie in ihren Rhythmen die Fantasie anregt. Im klingenden Friedensgebet schließlich fühlt man sich an die Kraft des Gospelgesangs erinnert.

Zwei Künstler, ein Abend und der Beweis, wie man Gutes im Miteinander noch steigern und an andere weitergeben kann. Begeisterter Applaus des Publikums und — natürlich — eine freundliche Zugabe.