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Köln: Bundes-CDU möchte Hilfsprojekt mit Heroin stoppen

Köln : Bundes-CDU möchte Hilfsprojekt mit Heroin stoppen

Wenn Alex P. an diesem Mittwochmorgen im schmucklosen Warteraum der Kölner Heroinambulanz auf die Droge wartet, wird er daran denken, wie alles angefangen hat.

Während Fachleute in Frankfurt einen letzten Rettungsversuch für das medizinische Hilfsprojekt starten wollen, wird er die Bilanz seiner ganz persönlichen Rettung ziehen.

Dass ihm der Staat Heroin auf Krankenschein geben würde, hat er vor vier Jahren zunächst nicht geglaubt. „Jetzt kann ich nicht fassen, dass das bald einfach vorbei sein soll und ich vor dem Nichts stehe”, meint er resigniert. Denn obwohl Wissenschaftler der Meinung sind, dass sich das Projekt bewährt habe, wollen es vor allem einflussreiche Unionspolitiker auf Bundesebene zur Jahresmitte auflaufen lassen.

Alex P. schlürft an einer Tasse Kaffee und wartet bis er aufgerufen wird. Seit vielen Jahren ist er abhängig vom Heroin. „Ich habe schon mehrere Entzugstherapien abgebrochen”, erzählt er: „Ich hatte einfach nicht genug Kraft.”

Um sich die Droge in der illegalen Szene zu besorgen, wurde er zum Dieb und Räuber, kam mehrmals in Haft, verlor Arbeitsplatz und Freunde, selbst die Familie wandte sich von ihm ab: „Es war grausam, immer in der Angst zu leben, ob ich mir den nächsten Schuss noch leisten kann oder qualvolle Entzugsschmerzen bekomme.” Diese Angst braucht er seit gut vier Jahren nicht mehr zu haben.

Das Team der Stadt Köln macht mit beim Modellprojekt, das auch in Bonn, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Frankfurt und München stattfindet. In unscheinbaren Räumen in einer Seitenstraße der Kölner Innenstadt bekommen die Abhängigen Heroin und soziale Betreuung. Die 40 Teilnehmer wurden aufwendig ausgesucht.

Es handelt sich um Schwerstabhängige, die zum Teil in lebensbedrohlichen Situationen waren. „Manche können heute sogar wieder arbeiten gehen”, berichtet der Arzt Mario Vogel: „Hier haben wir es mit den Menschen zu tun, denen anders nicht mehr zu helfen war.” Die wissenschaftliche Auswertung des Versuchs gibt den Praktikern Recht. Von den Teilnehmern wurde die Mehrzahl nicht wieder straffällig, während früher Inhaftierungen zum Alltag gehörten.

„Um Chance betrogen”

Damals war in Aussicht gestellt worden, dass das Projekt - bei positiven Ergebnissen - für die definierte Gruppe der Schwerstkranken zur Regeltherapie werden würde. Dennoch steht die Betreuung jetzt vor dem Aus. „Die Patienten fühlen sich um ihre Chance auf ein normales Leben betrogen”, meint Mitarbeiterin Christine Hölzmann: „Wenn hier dicht gemacht wird, bleibt den Betroffenen fast nur noch der Weg in die Illegalität. Sie haben Angst vor diesem Absturz.”

Die Einigkeit der Fachleute scheint bisher kein Umdenken in der Politik bewirkt zu haben. Widerstand gegen eine Gesetzesänderung zur Heroinabgabe durch den Staat kommt vor allem von der Bundes-CDU. Die beteiligten Kommunen wollen das bei einem Krisengipfel ansprechen. Dabei sind auch CDU-Stadtoberhäupter wie Petra Roth (Frankfurt) und Fritz Schramma (Köln). Sie wollen Betroffene wie Alex P. davor retten, ab Mitte des Jahres sich selbst überlassen zu sein - und fordern eine regelmäßige Behandlung mit Heroin für diejenigen, denen anders nicht mehr zu helfen ist.