Thriller „Opfer 2117“ von Jussi Adler-Olsen

Thriller „Opfer 2117“ : So politisch war Adler-Olsen noch nie

Jussi Adler-Olsen ist politisch, keine Frage. Die Bücher des Dänen über den kauzigen Ermittler Carl Mørck und das Sonderdezernat Q greifen immer wieder gesellschaftspolitische Phänomene und Missverhältnisse auf.

So politisch wie in seinem neuen Buch aber war das Sonderdezernat Q noch nie: Es geht um Flüchtlinge, die im Mittelmeer sterben, um Terror in Berlin und einen jungen Mann, der sich in der Abgeschiedenheit seines Zimmers und in der virtuellen Welt eines Ballerspiels in blutigen Rachefantasien verliert.

Vor allem aber geht es um Assad, den geheimnisvollen Assistenten von Carl, der inzwischen nach einem Jahrzehnt der Zusammenarbeit zum Freund geworden ist - aber darum nicht weniger mysteriös. Carl muss feststellen, dass vieles, was er über Assad zu wissen glaubte, falsch war. Er kommt nicht etwa aus Syrien, sondern wurde im Irak geboren, wuchs in Dänemark auf und war nicht weniger als ein Top-Elite-Soldat der dänischen Armee.

Bei einem UN-Einsatz im Irak vor vielen Jahren aber ging so Einiges schief: Er geriet in die Fänge der saddamschen Gefolgsleute – ebenso wie seine geliebte, damals schwangere Frau und die beiden kleinen, gemeinsamen Töchter. Seit 16 Jahren hatte Assad sie nicht mehr gesehen. Doch dann tauchen sie plötzlich auf einem Foto in der Flüchtlings-Reportage einer spanischen Zeitung wieder auf. Sie sind über das Mittelmeer nach Zypern gekommen.In der Reportage, die Assads alte Wunden wieder aufreißt, geht es um das titelgebende „Opfer 2117“, eine tote Frau aus dem Nahen Osten, die an Zyperns Küste angespült wird.

Allerdings stellt sich raus, dass sie nicht – wie Hunderte andere – ertrunken ist, sondern ermordet wurde. Der vermutliche Täter plant zudem einen Terroranschlag mitten in Berlin. Adler-Olsen thematisiert große Angst, mit der in Europa seit Jahren Stimmung gemacht wird. Und gleichzeitig verbirgt sich hinter jedem Flüchtling, der an einem europäischen Strand ankommt, eine Geschichte, die oft fürchterlich tragisch und traurig ist.

(bris)