Roman „Cherubino“: Tagebuch einer Schwangerschaft

Roman „Cherubino“ : Tagebuch einer Schwangerschaft

Eine schwangere Frau, die zwischen zwei Männern steht und vor einer großen Karriere steht – das liefert Andrea Grill mit ihrem zweiten Roman „Cherubino“. Ein Buch, das zu einer Art Schwangerschaftstagebuch gerät und oft schlauer daherkommen möchte, als es ist.

Iris Schiffer ist 39, Opernsängerin und unverhofft schwanger. Wer der Vater ist, weiß sie nicht, weil sie zwischen zwei Männern steht. Einerseits ihr Partner Sergio, ebenfalls Opernsänger, der sie liebt, fürsorglich und loyal ist, anderseits der ältere Politiker Ludwig, für den Iris mehr Gefühle hat – für den sie jedoch nur eine Affäre neben seiner richtigen Familie ist.

Wäre das Gefühlschaos nicht schon kompliziert genug, winken Iris Engagements, die ihren Durchbruch bedeuten könnten: Auftritte an der Metropolitan Opera und bei den Salzburger Festspielen. Blöd nur, dass der Geburtstermin des Kindes und die Sazburg-Premiere kollidieren. Und so darf nicht sein, was nicht sein soll. Iris ignoriert ihre Schwangerschaft zunächst so weit es geht. Vor ihrer Agentin und den Kollegen verheimlicht sie das Baby in ihrem Bauch.

Leider verrät die Erzählerin jedes Detail über Iris’ Schwangerschaft; jedes Ultraschallbild, jede Blutung, jede Regung. Ermüdend. Zudem wird all das in der dritten Person beschrieben, allerdings ohne jede Distanz zu der nicht unbedingt sympathischen Hauptfigur, die sich so völlig in Abhängigkeit zu Ludwig gibt. Das irritiert. Und die Beschreibung der Affäre gerät doch sehr klischeehaft. Dass es „Cherubino“ von der Longlist des Deutschen Buchpreises nicht auf die Shortlist schaffte, ist wenig überraschend.

Man kann das Buch wie einen etwas klügeren Rosamunde-Pilcher-Roman lesen. Er ist auf eine seichte Art spannend. Ludwig oder Sergio? Für wen entscheidet sich Iris? Wer ist der Vater des Kindes? Schafft sie es, in Salzburg zu singen? Das will der Leser, der bis zur Mitte des Buches durchgehalten hat, dann wahrscheinlich aus Neugierde doch wissen. Kann man lesen, muss man aber nicht.

(mgu)