Gelesen: „Rotes Licht“ von Maxim Kantor

Gelesen: „Rotes Licht“ von Maxim Kantor

Solomon Richter wird 1922 in Buenos Aires geboren. 1927 kehrt seine jüdische Familie von Argentinien nach Russland zurück. Wenn man ihn kennenlernt, schreibt man das Jahr 2014. Er liegt in einem Provinzkrankenhaus im Sterben. Russland feiert die Eingliederung der Krim.

Der Klappentext zu Maxim Kantors Roman „Das rote Licht“ erweckt den Eindruck, nun werde, mit Richters Augen, Rückschau auf ein über 90 Jahre andauerndes Leben gehalten.

Stattdessen springt der Autor vor und zurück. Mal befindet sich der Leser im Zweiten Weltkrieg, mal davor, dann wieder in der Putin-Ära. Auch Schauplätze und Protagonisten wechseln ständig.

Irgendwann taucht Ernst Hanfstaengl auf, Berater und Freund von Adolf Hitler. Er berichtet in der Ich-Form von den Geschehnissen. Die Zeitsprünge machen die Lektüre zäh, es wird viel historisches Wissen verlangt.

Wer darüber verfügt, fragt sich jedoch, wie Hanfstaengl, den es wirklich gegeben hat, am Ende des Buches an Richters Sterbebett sitzen kann. Hanfstaengl starb bereits 1975.

(sus)
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