Roman „Sal“ von Mick Kitson, Kiepenheuer & Witsch

Roman von Mick Kitson : Das Überleben in den schottischen Wäldern

„Wenn man in der Wildnis überleben will, geht es ziemlich viel darum, dass man vorausplant, sich Zeit nimmt, nachdenkt, plant und überlegt, was schiefgehen kann, und darüber nachdenkt, was passiert, wenn sich die Dinge plötzlich ändern.“ Überleben in den schottischen Wäldern – davon handelt Mick Kitsons Debütroman „Sal“.

Die dreizehnjährige Salmarina, genannt Sal, hat über genau diese Sachen sehr lange nachgedacht und sich intensiv vorbereitet, bevor sie mit ihrer zehnjährigen Schwester Paula, genannt Peppa, in die Natur flieht. Bepackt mit großen, bis oben gefüllten Rucksäcken und getarnt in Schuluniformen einer Privatschule machen sie sich auf die Reise in den Galloway Forest Park, um sich dort ein neues Leben aufzubauen.

Was zunächst nach einem spannenden, kindlichen Abenteuer klingt, ist bitterer Ernst: Die Mutter ist Alkoholikerin und kümmert sich seit Jahren nicht um ihre Kinder; Robert, der Freund der Mutter, vergreift sich an Sal. Um Peppa vor diesem Schicksal zu bewahren, plant Sal akribisch genau ihre Flucht. Die Natur, abseits von allen Erwachsenen, scheint ihr dabei der perfekte Ort.

Die Geschichte wird aus Sals Perspektive erzählt. Meist bleiben die Beobachtungen nüchtern und die Gedanken sachlich – immer darauf bedacht, Peppas und ihr neues Leben so gut wie möglich zu planen. Man merkt schnell, wie intelligent Sal ist und mit welcher Souveränität und Sicherheit sie handelt. Der Schutz Peppas vor jeglichen Gefahren steht für sie im Vordergrund. Ihren eigenen Gefühlen verweigert sie sich jedoch konsequent. Die Geschehnisse mit Robert haben Sal abgestumpft. Ihre Stärke liegt in ihrem Naturverständnis.

Kitson gelingt es, die beiden Charaktere intensiv darzustellen und eins mit der Natur werden zu lassen. Der Roman ist eine zarte Symbiose von kindlicher Unschuld und den vielfältigen Möglichkeiten der Natur und ihren Lebewesen – und deshalb absolut lesenswert.

(lena)