Roman "Ein Dollar für Carl Larsen" von Charles Bukowski

„Ein Dollar für Carl Larsen“ : Roman über Schriftsteller und das Schreiben

Charles Bukowski ist nichts für lesende Leichtmatrosen und bietet keinen Stoff für eine Debatte über Sexismus und #metoo.

Für die einen ist der 1994 verstorbene Autor ein Schandfleck und Rüpel in der Literatur, für die anderen eine autobiografisch schreibende Kultfigur, ein Worte-Raufbold und ein literarischer Halunke, der über das Leben am Rand der amerikanischen Gesellschaft geschrieben hat. Seine Kolumne in einer alternativen Zeitung in Los Angeles firmierte in den 1960er und 70er Jahren passend unter dem Titel „Notes of a Dirty Old Man“. Mag sein, heute liest sich manche Story wie geschrieben von einem der berüchtigten alten weißen Männer. Bukowski schrieb aber zu Zeiten der sexuellen Revolution und wurde von Hippies zuweilen verehrt. Es war eine ganz andere Ära.

An die, die den Mann verehren, richtet sich vorrangig dieses Buch. Der alternative Kleinverlag Maro, der Bukowski über mehrere Jahrzehnte in Deutschland verlegt hat, hat rund 25 Jahre nach dessen Tod auch diese von David Calonne editierte Sammlung mit alten und oft unbekannten Texten publiziert. Versammelt sind frühe Short Stories, Kolumnen, Buchbesprechungen, Vorworte aus Büchern anderer Autoren und Interviews. Das Gros der Beiträge ist neu ausgegraben aus einer großen Hinterlassenschaft. Gleichwohl sind manche Inhalte nicht zwingend neu, weil „Buk“ sie später in andere Stories und Romanen integrierte. Anderes kommt einem aus den wenigen Comic- oder Filmadaptionen her bekannt vor.

In einem Interview äußert sich Bukowski auch zu den Dreharbeiten von „Barfly“, verfilmt 1987 mit Mickey Rourke als Henry Chinaski, „Buks“ alter Ego. Für Rourke hatte er mehr Lob übrig als für den Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway im Verriss des Buches „Insel im Strom“. Bukowski verehrte Hemingway eigentlich, beginnt aber kompromisslos: „Dieses Buch taugt nichts.“ Auf „Ein Dollar für Carl Larsen“ trifft das nicht zu, auf eine Handvoll der rund 60 Texte allerdings dann doch.

(mik)