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Autobiografie von Jarvis Cocker: Pop-Geschichten vom Dachboden

Autobiografie von Jarvis Cocker : Pop-Geschichten vom Dachboden

Pulp-Sänger Jarvis Cocker ist ein leidenschaftlicher Sammler. Anhand von Erinnerungsstücken, die er beim Entrümpeln findet, erzählt er seinen Werdegang zu einer der Kultfiguren des Britpop.

Jarvis Cockers Arbeiten gelten in der britischen Popmusik als „thinking man‘s pop“. Der Sänger der britischen Band Pulp moderiert Radiosendungen, schrieb aber auch Songs für Charlotte Gainsbourg, Marianne Faithful oder Nancy Sinatra und nahm einen Liederzyklus über das berühmte Chateau Marmont mit dem Pianisten Chilly Gonzalez auf. Als Brexit-Kritiker und politisch auf der äußersten linken Seite von Labour stehend, ist Cocker auch eine kritische Stimme im britischen Showgeschäft.

Es hat etwas Abstruses: Ein Mensch, dem Zeit seines Lebens Entscheidungen schwerfallen und der eindeutig dem Typ „Sammler“ zuzuordnen ist, erhält eine Prämie in Form eines sechsstelligen Betrags von dem internationalen Verlag Penguin Books, verbunden mit der Auflage, seinen Dachboden zu entrümpeln. Dinge aus seiner Kindheit, Jugend und den Anfängen seiner zukünftigen Band Pulp werden also von Cocker ans Licht des Tages geholt und gewitzt und anekdotenhaft analysiert.

In diesem Sammelsurium kommen Kaugummipackungen, Postkarten, ein Stück Seife, Strickkrawatten, kaputte Brillen, Modellraumschiffe, Einkaufstüten, Sexheftchen oder ein gelb-weiß gepunktetes Acrylhemd zum Vorschein. Diese Dinge werden fotografiert und in dem sehr schön in verschiedenen farblichen Seiten zusammengestellten Buch zu einer eigenen kleinen Welt und ihren Geschichten verdichtet. Am Ende bleibt die Devise: „Keep or cob“.

Jarvis Cocker: „Good Pop, Bad Pop. Die Dinge meines Lebens“ (Kiepenheuer & Witsch), 400 Seiten, 28 Euro
Jarvis Cocker: „Good Pop, Bad Pop. Die Dinge meines Lebens“ (Kiepenheuer & Witsch), 400 Seiten, 28 Euro

Ganz nebenbei erzählt „Good Pop, Bad Pop“ the Making of Pulp. Jarvis Cocker erfindet die Band in seinen Schulheften, illustriert mögliche Bühnenklamotten, entwirft Strategien, wie Pulp sich als David gegen den Goliath Musikindustrie durchsetzen soll. Das Sammelsurium der Dinge illustriert schließlich auch die Pulp-Philosophie: Aus dem, was andere wegwerfen, etwas Neues machen. Auch wenn man mit der Musik von Cocker/Pulp wenig anzufangen weiß – absolut lesenswert!