Krimi „Vernichtung“ von David Lagercrantz, Heyne

Krimi „Vernichtung“ : Millennium-Trilogie von Larrson mit einem würdigen Abschluss

Als Stieg Larsson die Millennium-Trilogie verfasste, war die Welt noch eine andere: Kaum jemand hatte Smartphones, es gab keine Sozialen Netzwerke und auch sonst war die Technik mit der heutigen nicht zu vergleichen. Trotzdem hackte sich Larssons Romanheldin Lisbeth Salander fleißig in die Schaltzentralen der Macht.

15 Jahre später bringt David Lagercrantz Larssons Serie nun zu einem würdigen Abschluss – und Salander ist längst in der Ära von Fake News und Darknet angekommen.

„Verblendung“ (2005), „Verdammnis“ (2006), „Vergebung“ (2007): Die Larsson-Romane um Salander, den Journalisten Mikael Blomkvist und das Böse in der schwedischen Welt wurden internationale Erfolge. Der Autor selbst erlebte davon nichts: Er starb 2004 im Alter von 50 Jahren. Lagercrantz wurde 2013 vom schwedischen Originalverlag Norsteds und unter Zustimmung von Larssons Vater und Bruder auserkoren, die Geschichte weiterzuerzählen. Nicht alle fanden das damals gut. Dennoch folgten „Verschwörung“ (2015) und „Verfolgung“ (2017) – und nun eben „Vernichtung“, der sechste und letzte Teil der Millennium-Reihe.

Worum geht es diesmal? Nachdem Salander im letzten Roman im Frauenknast einsaß, ist sie nun auf Rachefeldzug gegen ihre Zwillingsschwester Camilla. Blomkvist wird derweil von einer Rechtsmedizinerin auf einen seltsamen Todesfall aufmerksam gemacht. Ein offenbar verwirrter Mann wird tot auf einem Platz in Stockholm gefunden. Sein Körper scheint Schreckliches durchlebt zu haben – und ein Geheimnis aufzuweisen: ein Super-Gen. Blomkvists Recherche führt ihn zu einer tödlichen und nicht nur deshalb folgenschweren Expedition auf den Mount Everest.

Super-Gen, Expedition auf den Eve-
rest? Klingt abstrus. Trotzdem bleibt „Vernichtung“ dank der Verstrickung des Staates in den Fall sowie der Gewalt ein echter Millennium-Krimi. Was gleich bleibt in der gesamten Reihe ist diese Wut, dieser Hass, der innerhalb von zwei, drei Worten in Lust und Begierde umschlagen kann. Lagercrantz hat es geschafft, die auf menschlichen Abgründen fußende Millennium-Welt des Stieg Larsson in die Ära von Fake News und Online-Verleumdungskampagnen zu heben.

(stt)
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