„Bretonisches Vermächtnis – Kommissar Dupins achter Fall“: Kommissar Dupin ermittelt wieder

„Bretonisches Vermächtnis – Kommissar Dupins achter Fall“ : Kommissar Dupin ermittelt wieder

Auch wenn man die ersten sieben Bände der Reihe nicht kennt, schließt man ihn gleich ins Herz: Kommissar Georges Dupin, der am besten denken kann, wenn er läuft, der ein Koffein-Junkie ist und eine Vorliebe für Pinguine hat.

So einfach wie anfangs gedacht lässt sich aber nicht klären, wer in Dupins Heimatort Concarneau den angesehenen Docteur Pierre Chaboseau durchs Fenster seines Arbeitszimmers im obersten Stock gestoßen hat. Der ältere Herr praktizierte immer noch als Hausarzt und Kardiologe, sammelte darüber hinaus Kunst und war Mitfinanzierer diverser Unternehmen. Ebenso wie seine Geschäftspartner und Freunde, Apotheker Brecan Priziac und Weinhändler Jodoc Luzel, gehörte er zu den „Notables“ der Stadt, den alteingesessenen, wohlhabenden Familien. Eine ebenso einflussreiche wie arrogante Clique, die viel auf Diskretion hält.

Nicht nur Priziac und Luzel zählen zum Kreis der Verdächtigen, sondern auch zahlreiche andere Concarnesen, und noch auf Seite 223 muss Dupin tüchtig seufzen: „Ich habe das Gefühl, wir stehen wieder ganz am Anfang.“

Dabei hat der Leser längst eine Ahnung, aus welcher Richtung der Wind weht. Aus literarischer. Im Winter 1930 weilte ein gewisser Georges Simenon in Concarneau, ein Jahr später veröffentlichte er den Maigret-Krimi „Der gelbe Hund“, der in Concarneau spielt.

Anfangs lässt man sich – mit Dupins Augen gesehen – nur zu gerne vom Zauber der Bretagne betören und möchte am liebsten sofort losfahren. Aber irgendwann wird es des Lobes zu viel. Auf fast jeder Seite ist etwas sagenhaft, berühmt oder legendär, köstlich, vorzüglich oder himmlisch, wunderbar, traumhaft, herrlich, prachtvoll, magisch, fabelhaft… Und jetzt weiß man auch, warum der Autor (der in Wirklichkeit Deutscher ist, Jörg Bong heißt und aus Bad Godesberg stammt) 2016 mit der regionalen Auszeichnung „Mécéne de Bretagne“ (Mäzen der Bretagne) bedacht wurde. Bessere Werbung gratis gibt es nicht.

(sus)
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