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Sachbuch „Carl von Ossietzky“: Eine überragende Persönlichkeit der Weimarer Republik

Sachbuch „Carl von Ossietzky“ : Eine überragende Persönlichkeit der Weimarer Republik

Sein Name ist immer weniger Menschen geläufig. Dabei gehörte Carl von Ossietzky als glühender Pazifist, überzeugter Demokrat und Herausgeber der legendären Zeitschrift „Die Weltbühne“ zu den überragenden Persönlichkeiten und Publizisten der Weimarer Republik.

Mehrfach enthüllte er Skandale, machte auf die verdeckte, weil verbotene Aufrüstung der Reichswehr aufmerksam, schrieb gegen den sich ausbreitenden Nationalismus an und warb für eine sozial gerechtere Gesellschaft. Bei all seiner Kritik verteidigte aber kaum jemand die Republik so vehement wie er.

Für die politische Rechte war Ossietzky deshalb ein Hassobjekt. Schon zu Weimarer Zeiten wurde er wegen angeblicher Spionage ins Gefängnis geworfen. Erst recht machten die Nazis Jagd auf den linken „Störenfried“. Kurz nach dem Reichstagsbrand ließen sie Ossietzky erneut verhaften, steckten ihn in Gefängnisse und schließlich ins KZ Esterwegen. Schwer gefoltert, kam er erst 1936 wieder frei. Zuvor hatten sich Menschen in aller Welt für ihn eingesetzt. Nicht zuletzt deshalb erhielt Ossietzky 1936 rückwirkend für das Vorjahr als dritter Deutscher den Friedensnobelpreis. Von der Lagerhaft schwer gezeichnet, starb er 1938 – gerade einmal 48 Jahre alt.

Um Ossietzkys Namen dem drohenden Vergessen zu entreißen, ist im Donat-Verlag nun eine neue Biografie des Radikaldemokraten erschienen. Vorgelegt hat sie der Historiker Werner Boldt. Das Buch ist zwar nicht eben süffig geschrieben, wirkt beim Lesen oft etwas sperrig. Dafür wartet es aber mit vielen akribisch zusammengetragenen Details auf. Boldt zweifelt zudem eine alte Legende an. Der Ossietzky-Kenner glaubt nicht, dass der gebürtige Hamburger nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten bewusst im Reich geblieben ist, um sich gegen die braune Flut zu stemmen. Er ist überzeugt, auch Ossietzky habe an Flucht gedacht. Die Nazis kamen mit seiner Verhaftung dem Gang ins Exil nur zuvor.

(jozi)